Text: Christian Lütjens

Wer nach all dem Feiern im Yumbo Center Entspannung sucht, findet in Wellnessoasen und Spas der Insel endlich seine Ruhe. Neben dem Pool in Playa del Inglés‘ schwulem Birdcage-Resort steht ein kleiner Gartenpavillon – verhüllt mit weinroten Gaze-Vorhängen, ausgestattet mit bequemer Massageliege, dekoriert mit buddhistischen Statuen und frischen Blüten. Hier können sich Urlauber die letzten Reste Heimatstress aus den Gliedern kneten lassen. Oder den Kater nach einer durchfeierten Nacht. Die Masseure kommen von einem externen Wellness-Studio, sind aber schnell zur Stelle, wenn die Gäste nach Entspannung verlangen. es ist ein angenehmes, geborgenes Gefühl, in dem luftigen Open-Air-Zelt auf der Pritsche zu liegen, während kräftige Männerhände einem den Körper mit kanarischen Aloe-Vera-Extrakten bearbeiten, im Hintergrund schwule Nackedeis im Pool planschen und über alledem die Regenbogenfahne im Wind flattert.

Manch einer schläft dabei ein, andere werden hellwach, viele bekommen einen Ständer. macht aber nichts. Das Birdcage ist ein geschützter Raum. Hier, nur wenige Minuten vom Yumbo Center entfernt, können schwule Gäste sich gehen lassen. Im Resort ist FKK üblich (abgesehen von der Terrasse und der Bar), man duzt sich, die Atmosphäre ist familiär. Das Massageangebot ist ein Sonderservice, mit dem die Betreiber dem Wellness-Trend Tribut zollen, der seit einigen Jahren auf Gran Canaria Raum greift. Nur zwei Straßen entfernt liegt das Design-Luxushotel Bohemia mit seinem asiatisch inspirierten Siam-Spa und reiht sich damit nahtlos in die Kette von Wellnessoasen, Thalassobädern und Vitalcentern ein, die an der gesamten Südküste das ultimative Wohlgefühl versprechen. Dort zelebriert man großes Wellness-Kino, für das die In-House-Behandlung im Homo-Resort nur ein kleiner Vorgeschmack ist. Film ab! Wir beginnen unsere Reise zur Entspannung im Vorzeige- hotel Corallium Costa Meloneras. Das Vier-Sternehaus liegt nur einen Steinwurf vom berühmten Faro (Leuchtturm) de Maspalomas entfernt und empfängt in seinem durchdesignten Spa-Parcours auch Gäste, die nicht im Hotel wohnen.

Zwar ist es hier mit der schwulen Exklusivität vorbei, aber immerhin wird der Besucher am Eingang von einem Ensemble homoerotischer Gemälde empfangen. Gay-militante seien dennoch gewarnt: Der eigentliche Rundgang (bei dem Badehosenpflicht herrscht) beginnt in einem „Gebärraum“ mit Wasserbetten, dessen Eingang eine überdimensionale Vagina aus rosa Plüschteppich darstellt. Nichts für eingefleischte Mösenhasser, aber ein Indiz dafür, wie viel Kreativität bei der Entwicklung des Zentrums aufgebracht wurde. Weiter geht’s in eine Himalayahöhle, deren Wände und Bänke komplett aus Salzkristallen bestehen. Wer‘s nicht glaubt, möge es mit der Zunge nachprüfen. allerdings ist der Raum nicht zum Wände-ablecken da, sondern zur „Absorption elektromagnetischer Strömungen“, was besonders Asthmatikern und Migräne-Kandidaten zugutekommt. Gemütlich ist die Höhle dank der von hinten beleuchteten, rötlich schimmernden Salzkacheln außerdem. es folgen ein Dampfbad, in dem Katzen-Sphinxen mit grünen Leuchtaugen in den Dunst funkeln, ein Aqua- Dome mit Kaltwasserbecken, Warmwassergrotte und tropischer Regensimulation, ein stilechtes orientalisches Hamam, eine afrikanische Dunkelsauna, eine Eishöhle mit belebenden Nebelduschen und, und, und … Gestaltung und Funktionalität gehen in allen Stationen Hand in Hand. Für das Design zeichnet das oberfränkische Unternehmen Deckelmann verantwortlich, das Wellnesstempel in aller Welt mit innovativen Ideen füttert.

Das Highlight ist der Lava Float Pool – eine Art Totes Meer im Pocket-Format. Hier treibt man auf etwa 30 Quadratmetern an der Oberfläche einer gesättigten Salzwasserlösung und blickt dabei an eine zerklüftete Höhlendecke, in der LED-Sterne blitzen. Wieder stellt sich ein Geborgenheitsgefühl ein, das bis zum Ende des Rundgangs anhält. Wenn man an der letzten Etappe, einem Außenbereich mit unterschiedlich temperierten Schwimmbecken, angelangt ist, verschmelzen Sonne und Schatten, Palmen und Licht zu einem großen Ruhekosmos, dessen Mittelpunkt man selber ist. Wer trotzdem noch überschüssige Kräfte loswerden muss, kann sich für einen Aufpreis im benachbarten Gym austoben. Aber eigentlich reicht es vollkommen, den knackigen Haus-Trainern vom Whirlpool aus bei der arbeit zuzusehen, während man in Gedanken den nächsten Wellness-Trip plant. Dieser führt entlang der kurvigen Küstenstraße weiter nach Osten. zum Gloria Palace in Puerto Rico. Hier schwört man seit Jahren auf die heilenden Kräfte von Meerwasser und dessen Bestandteilen.

Es werden erstklassige Behandlungen angeboten, bei denen der Gast zunächst mit prickelnder Peelingcreme massiert und nach anschließender Dusche mit einer sanften Pearl-Lotion verwöhnt wird, die die Haut nach dem Einwirken sanft schimmern lässt. Ein Muss für schwule Beautyqueens. In den Nassbereichen herrscht hier zugegebenermaßen eine spröde Schwimmhallenatmosphäre. Die Gäste müssen Badekappen tragen, wenn sie sich unter Druckwasserfällen, in Sprudelliegen oder vor Massagedüsen tummeln wollen. zudem sind die Einrichtungen ziemlich in die Jahre gekommen und müssten mal überholt werden. Gesund sind die Thalassobäder, auf deren heilende Wirkung sogar Karl Lagerfeld schwört, aber allemal.

Und der freie Blick über den Atlantik, der sich hinter der vollständig verglasten Fensterfront des Gloria Palace auftut, ist sowieso unschlagbar. Wir ziehen trotzdem weiter. Ins liebliche Puerto de Mogán. Der kleine Fischerort schmiegt sich am östlichsten Zipfel der südlichen Inselstraße in eine verträumte Bucht und verspricht sogar ohne Treatment Entspannung. Wer Romantik sucht, ist hier richtig. Gemächliche Bummel entlang einer kleinen Marina mit ihren zahllosen Segelbooten, ein Drink am Marktplatz, ein Sprung ins strahlend blaue Meer – all das kann man hier innerhalb kürzester Zeit unter einen Hut bringen. Und wer ein bisschen Historie atmen will, begibt sich einfach zum „Cordial“.

Das Hotelresort, das von einem üppigen tropischen Garten umgeben ist, schrieb im Februar 2008 Homogeschichte. Damals fand in der hauseigenen Kapelle Spaniens erste kirchliche Trauung eines schwulen Paares statt, was in den lokalen Medien großes Aufsehen erregte. Viele Anwohner waren gegen das Homo-Jawort in ihrem Heimatort, was die frischgebackenen Ehemänner aber nicht daran hinderte, dennoch mit allem Drum und Dran zu hochzeiten. Seither wurden in der Resort-Kapelle diverse Homo-Hochzeiten besiegelt. Inzwischen stört sich daran keiner mehr. Insofern hat das „Cordial“ bei seinen Nachbarn für die Entspannung gesorgt, die es normalerweise seinen Gästen zukommen lässt. Denn natürlich wird auch hier der Wellness große Bedeutung beigemessen.

Das Team von Spa-Leiterin Auxi schwört auf „transpersonelle Arbeit“, stimmt die Behandlungen also individuell auf die Kunden ab. Auxis Spezialität ist die Aromatherapie. Dabei werden dem Gast zehn verschiedene Duftproben vorgelegt, aus denen er einen oder mehrere Favoriten wählt. Die Auswahl lässt Rückschlüsse auf sein Innenleben zu, denn jeder Duft steht für ein bestimmtes Bedürfnis. Orange signalisiert die Sehnsucht nach Harmonie, Veilchen die Bereitschaft für einen Neuanfang, weißer Tee die Hoffnung auf einen Lichtblick, und so weiter. Die gewählten Aromen werden in Form von kalt gepressten ölen zu einer Mixtur angerührt und anschließend in die Haut einmassiert. Abgerundet wird die Behandlung mit einem passenden Tee.

So nimmt der Körper „Harmonizer“ und „Vitalstoffe“ auf, während gleichzeitig das Bewusstsein für verborgene Sehnsüchte geweckt wird. Wer nach all diesen Kur- und Heilmethoden allerdings lediglich Sehnsucht nach etwas schwulem Sexappeal verspürt, sollte auf halbem Weg zurück nach Playa del Inglés zumindest für eine Nacht im Sheraton Salobre Golf Resort vorbeischauen. Der kunstvoll verschachtelte bau des amerikanischen Architektenduos Allen + Philip prangt hoch über dem Meer in einer faszinierenden Hybridlandschaft aus weitläufigen Golfplatz-Rasenmatten und schroffen, vulkanischen Felsformationen. Über dem Gebäude erstreckt sich eine Poolterrasse mit grandiosem Blick auf den Atlantik. hier oben haben Kinder unter 16 Jahren keinen Zutritt, und Paare können sich Romantikdinner in balinesischen Himmelbetten servieren lassen. Auch ein schwules Erotik-Special ist buchbar, dessen Hauptbestandteil ein Präsentkorb mit Sexspielzeugen und aphrodisierenden Überraschungen ist.

Die probiert man allerdings besser auf dem Zimmer aus. Auch eine Möglichkeit der Entspannung. zumal der Korb auch Massageöl enthält. Und hatten wir erwähnt, dass das Golf Resort über eine vorzügliche Spa-Anlage verfügt? Wohin man auch kommt, die Wellness ist schon da. Großes Kino. End.

INFO

www.grancanaria.com
www.grancanariawellness.com
Mehrsprachige offizielle Homepages des Tourismusamtes mit Infos zu Hotels, Restaurants, Sehenswürdigkeiten und Wellnessangeboten.

ANREISE

Condor fliegt mehrmals wöchentlich ab zehn deutschen Flughäfen (z.B. München, Berlin, Düsseldorf, Hamburg) nach Las Palmas. Hin- und Rückflug gibt es bereits für unter 200 Euro. Auf Angebote der Website achten.
www.condor.com

Alle Szeneadresse gibt es im Spartacus International Gay Guide sowie der Spartacus iPhone-App