Paradiesische Zustände für Außenseiter. So in etwa muss der junge deutsche Künstler Walter Spies empfunden haben, als er Ende der 1920er Jahre auf Einladung des Fürsten von Ubud das erste Mal Bali besuchte – und blieb. Fern vom prüden Sittenzwang Europas zog es den talentierten, attraktiven (und schwulen) jungen Mann in die „glücklichen Tropen“. Er folgte damit eben jenem Mythos von Exotik, der bereits im1922 erschienenen Fotoband des deutschen Arztes Gregor Krause, „Bali. Geist, Kunst und Leben Asiens“, mit zahlreichen Aktaufnahmen („Jüngling nach dem Bade sich sonnend“) beschworen wurde. Auf der Insel angekommen, entwickelte Spies als Maler seine Version des magischen Realismus, förderte und beeinflusste damit auch die einheimischen Künstler. Als Choreograf schuf er für den Film „Insel der Dämonen“ den noch heute überall auf Bali aufgeführten Kecak-Tanz, dessen Hauptakteure Dutzende halbnackter Männer sind, die mit merkwürdigen Lauten den Klangteppich für die Darstellung einer uralten hinduistischen Geschichte liefern. Vor allem Walter Spies ist es zu verdanken, dass die Insel in den Dreißigerjahren zu einem Treffpunkt und Sehnsuchtsort für Schwule, Künstler und Promis wurde. Darunter Charlie Chaplin, Friedrich Wilhelm Murnau oder Vicky Baum, die Spies gerne in seinem hoch über einer Schlucht gelegenen Domizil nahe des Dorfes Ubud empfing.

Natur, Kunst, Kultur und Religion. Auf Bali verschmelzen diese Komponenten zu einem einzigartigen Kosmos, der die Insel zu einem der attraktivsten Reiseziele Asiens macht. Auf überschaubarem Raum (die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 95 Kilometer, die von West nach Ost 145 Kilometer) kann sich der Besucher innerhalb von zehn bis 14 Tagen einen guten Eindruck von der Vielfalt der Insel machen. Wobei nach etwa 16- bis 20-stündiger Anreise ab Deutschland (meist über Bangkok oder Singapur) zuallererst ein paar Tage Erholung am Strand angesagt sein dürften.

Nur wenige Kilometer vom Flughafen der Hauptstadt Denpasar entfernt, lockt die Halbinsel Nusa Dua mit den wohl schönsten Stränden Balis. Die Urlaubsenklave mit luxuriösen Resorts wie dem Grand Hyatt oder dem St. Regis ist durch eine Sicherheitsschleuse vom Rest der Insel abgetrennt. Am goldgelben Strand und dem ruhig dahinwogenden Ozean bleiben Touristen unter sich und genießen den erstklassigen Service ihrer Hotels. Lebendiger geht es im derzeit angesagten Seminyak zu. Wo vor 15 Jahren noch Reis wuchs und Bauern mit Hilfe von Wasserbüffeln die Felder bestellten, schießen nun hippe Boutiquehotels aus dem Boden, laden Shops und Galerien zum Einkaufsbummel und sorgen Clubs und Bars für ein attraktives Nachtleben. Zwar kann es der vom Vulkanssand grau gefärbte Strand mit seiner teils mächtigen Brandung nicht mit dem nur etwa 20 Autominuten entfernten Nusa Dua aufnehmen, dafür bildet Seminyak das Herz der schwulen Szene. Zum einen gibt es mit dem Callego-Beach neben dem Petitenget-Tempel und seiner Liegewiese einen kleinen schwulen Treffpunkt am Strand und auch das schwule Spartacvs-Resort mit Pool und Bar liegt ganz in der Nähe. Zum anderen ist in der Straße Jalan Dhyana Pura mit ihren schwulen Bars Mixwell und Q Bar sowie dem Club Kudos vor allem am Wochenende einiges los. Wahlweise mit Transen oder Go-gos auf dem Tresen sorgen die Bars für die Unterhaltung ihrer Gäste bis man schließlich in die Clubs weiterzieht.

Seinen eigentlichen Reiz entwickelt Bali allerdings jenseits von Strand- und Nachtleben. Schon bei der Ankunft auf dem Flughafen und der Fahrt ins Hotel wird man mit unzähligen Tempelanlagen, Götterstatuen und kleinen Opfergaben konfrontiert, über die man, im wahrsten Sinne des Wortes, stolpert. Um die Götter freundlich zu stimmen, liegen vor jedem Haus, an jeder (!) Straßenecke und selbst auf den Autoarmaturen von Taxis und Bussen aus Blättern geflochtene Körbchen, in denen Blüten, Früchte oder auch Süßigkeiten geopfert werden. Jedes traditionelle balinesische Haus verfügt über einen Schrein für die Ahnen. Darüber hinaus überzieht Bali wie ein dichtes Netz ein für den Besucher undurchschaubares System von Tempelanlagen für Tausende von Göttern.

Darunter finden sich Perlen wie der Meerestempel Tanah Lot, der am Rande eines Kratersees gelegen Tempel Ulun Danu oder der romantische, teils vom Urwald überwachsene Tempel Luhur Batukau. Daneben gibt es Wasser- und Königspaläste, heilige Affenwälder und Fledermaushöhlen. Und über alledem thront, am Hang des über 3000 Meter hohen Vulkans Agung, der Muttertempel Besakih, ein gewaltiges Bauwerk aus unzähligen Pagoden, Mauern und grimmig blickenden Dämonenstatuen. Als einzige Insel im riesigen, sonst muslimisch geprägten indonesischen Inselreich, hat sich Bali einen ganz speziellen hinduistischen Glauben bewahrt. Wohl deshalb zieht das tolerante Bali auch viele Indonesier an, die auf ihrer eigentlichen Heimatinsel nicht zu ihrem Schwulsein stehen, geschweige denn es ausleben können. Allein um die wichtigsten Tempel und kulturellen Highlights zu sehen, sollte man mindestens drei Tage einplanen. Am effektivsten ist es, ein Auto samt Fahrer zu mieten (ca. 50 Euro pro Tag), um sich ein individuelles Programm zusammenstellen zu können. So bleibt genügend Zeit, auch spontan Stopps bei einem Tempelfest, an Stränden oder Seen einzulegen.

Für Tauch- und Schnorchelfans gilt es, weitläufige Korallenriffe, Steilwände und Schluchten oder Schiffwracks zu entdecken. Seit vielen Jahren bietet der deutsche Auswanderer Werner Schäffer mit seiner Firma „Dive the Rainbow“ Tauchkurse, Tagesausflüge und mehrtägige Tauchsafaris für schwule Balireisende an. Dort kann man mit etwas Glück auch Walhaien und Mondfischen begegnen. Nach ein paar Tagen am Strand lohnt es sich zudem, ins Künstlerdorf Ubud im Zentrum der Insel umzuziehen. Hier gibt es zahlreiche Galerien, Restaurants und exzellente Tanzvorstellungen, zudem sind viele Sehenswürdigkeiten sehr viel schneller erreichbar als vom Süden her. Richtig erholsam wird es, wenn man in der nahegelegenen Schlucht des Ayungflusses residiert. Wählt man Resorts wie das Hanging Gardens, Amandari oder Como Shambala, übernachtet man in Villen mit Privatpool und allem erdenklichen Komfort. Die Flusstäler um Ubud sind Oasen der Ruhe, in denen man außer dem Rauschen des Wassers nur noch den Sound des Urwalds vernimmt. Ein perfekter Ort – das wusste auch Walter Spies.

INFO

www.balitourismboard.org
Offizielle Hompage des Tourismusamtes von Bali.

ANREISE

Thai Airways fliegt täglich ab Frankfurt und München über Bangkok nach Denpasar. Die Reisezeit beträgt etwa 17 Stunden. Hin- und Rückflug ab 895 Euro in Economy und 3027 Euro in Business Class. Günstigere Angebotsspecials gibt es mehrmals im Jahr über die Homepage zu buchen, www.thai-airways.de

Bei der Einreise wird eine Gebühr für die Ausstellung eines Visas erhoben. Je nach Dauer des Aufenthalts beträgt dieses pro Person 10 Dollar (bis 7 Tage) bzw. 25 Dollar (bis 30 Tage). Auch bei der Ausreise wird eine Gebühr von 150.000 Rupiah (ca. 11 Euro) erhoben.

HOTELS

Grand Hyatt Bali (Nusa Dua) Weitläufiges 5-Sterne-Resort direkt am Sandstrand von Nusa Dua. Die meisten der 648 Zimmer, Suiten und Villen wurden in der letzten Zeit modernisiert, der dazugehörige Kriya Spa gehört wohl zu den schönsten der Insel, www.bali.grand.hyatt.com

The St. Regis Bali Resort (Nusa Dua), Das 2008 eröffnete Resort verfügt ausschließlich über Suiten und Villen, zum Teil mit eigenem Pool oder direktem Strandzugang. Exzellentes Restaurant und kleiner aber feiner Remède Spa, www.starwoodhotels.com/stregis

Ubud Hanging Gardens (Desa Buahan / Ubud) Das in einer Steilen Schlucht gelegene Resort mit exzellentem Service legt viel Wert auf Nähe zur Natur und besteht ausschließlich aus Villen mit Privatpool, www.ubudhanginggardens.com

Como Shambala Estate (Begawan Giri, Ubud) Auf Holistik, Ayurveda und Wellness ausgelegtes, etwas abseits gelegenes Resort der absoluten Luxusklasse. Die fünf Villenanlagen mit privatem Pool und gemeinsamem Essensbereich sind ideal für Gruppen bis zehn Personen und garantieren völlige Privatsphäre, www.cse.como.bz

Amandari (Ubud) Traditionsreiches Resort am Ayung Fluss mit exklusiven Villen im balinesischen Stil, großem Pool, Spa und Tennisplatz, www.amanresorts.com

Space at Bali Villas (Jl. Drupadi 8, Seminyak) Exklusive und schöne Villenanlage im balinesischen Stil im trendigen Seminyak. Die Villen verfügen über Privatpools und sind idealer Rückzugsort nach Streifzügen durch Seminyaks Nachtleben. Guter Spa Service, www.spaceatbali.com

Spartacvs Resort (Jl. Pura Telaga Waja, Seminyak) 2007 eröffnetes schwules Resort in Strandnähe mit Pool und Bar, www.spartacvsbali.com

AUSGEHEN

Gado Gado (Jl. Dhyana Pura 99) Renommiertes Restaurant am Strand von Seminyak mit Cross Over Küche, www.gadogadorestaurant.com

Antique Bar & Restaurant (Jl. Dhyana Pura 7) In der Szene beliebtes Restaurant gleich neben den schwulen Bars, www.antiquebali.com

Mixwell (Jl. Dhyana Pura 6) Beliebte Homobar mit Go-gos und Dragqueen-Shows.

Bali Joe (Jl. Dhyana Pura 7) Beliebte Homobar mit Go-gos und Dragqueen-Shows.