Schon lange bevor die Niederlande im Jahre 2001 als erstes Land der Welt die Homoehe einführten, galt das Land als besonders liberal. 82 Prozent der Bürger befürworteten damals die gleichgeschlechtliche Ehe. Amsterdam war in jener Zeit zweifelsfrei die Homohauptstadt Europas mit einem vielfältigen Szeneleben, das Impulse für den Rest des Kontinents setzte und – natürlich – auch mit seiner toleranten Haltung gegenüber dem legalen Konsum von Marihuana punktete. Heute konkurriert die Stadt um einen vordersten Platz bei den beliebtesten schwulen Reisezielen Europas zwar mit Metropolen wie Barcelona und Berlin, die in den letzten zehn Jahren mächtig aufgeholt haben. Doch das einzigartige Flair der alten Handelsstadt mit ihren Grachten, Kirchen und Museen begeistert noch immer tausende schwuler Touristen – vor allem auch aus Übersee. Amsterdam macht es dem Besucher leicht, die Stadt zu erkunden, entweder zu Fuß oder mit dem typisch holländischen Fortbewegungsmittel, dem Fahrrad.

Fast alle Sehenswürdigkeiten und Szene-Hot-Spots liegen innerhalb der Grachtengürtels, der sich kreisförmig um den architektonisch imposanten Hauptbahnhof legt. Ob das berühmte Anne-Frank-Haus, in dem sich das jüdische Mädchen bis zu seiner Deportation ins Konzentrationslager versteckte, der Palast der Königin am Damplatz oder der Blumenmarkt an der Singel Gracht – all das kann man leicht innerhalb weniger Minuten vom Bahnhof aus erreichen. Seit 1987 erinnert am Ufer der Keizersgracht gleich neben der Westerkerk ein aus drei rosafarbenen Granitdreiecken bestehendes Homomonument an die Verfolgung und Ermordung von Homosexuellen in der Vergangenheit und Gegenwart. Fast täglich legen an dem weltweit bekanntesten Denkmal seiner Art Besucher Blumen nieder oder lassen sich fotografieren. In unmittelbarer Nähe befindet sich in einem Kiosk die schwul-lesbische Touristeninformation Pink Point mit allen Infos rund um die Amsterdamer Szene und vielen Regenbogensouvenirs.

Im Jahr 2010 sorgten einige Skandale bei schwulen Geschäftsleuten dafür, dass sich die Szene stark verändert hat. So wurden viele der Bars und Clubs in der einstigen Ausgehstraße Reguliersdwaardstraat geschlossen, doch Stadt und Brauereien sind bemüht, die einstige Hauptschlagader der schwulen Szene wiederzubeleben. Im „Taboo“ trifft man am Wochenende noch immer auf das trendige Publikum, das in dieser Gegend gerne ausgeht, um danach in den kleinen Club Roque oder den Fetisch Club Church weiterzuziehen. Rund um den Rembrandtsplein und das Amstelviertel, in dessen großen Discotheken unregelmäßig schwule Events stattfinden, finden sich urige Homokneipen wie Vivelavie, Entre Nous oder das Café Rouge, in denen ein älteres Publikum auf besonders hartnäckige Nachtschwärmer trifft. Mit einem Konzept aus Cocktaillounge und Miniclub hat das in der Spuistraat gelegen Prik ein ganz eigenes Publikum gefunden. Stundenten mischen sich hier mit schwulen Yuppies und deren Freundinnen, junge Individualisten feiern mit ausländischen Besuchern und genießen ausgefallene Cocktailkreationen wie Gin-Mojitos oder die „Dutch Pepper Bomb“.

Einen Rausch ganz anderer Art kann man im wohl berühmtesten Museum der Stadt, dem Van-Gogh-Museum erleben. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es mehr Werke des genialen Künstlers zu sehen als hier. Und wer leicht in Kaufrausch verfällt, sollte der Fußgängerzone auf der Kalverstraat lieber fern bleiben: Dort gibt es so viele günstige Angebote an Klamotten, Schuhen und sonstigem Schnickschnack, dass es auch hartnäckigen Konsumverweigerern schwer fallen wird, Nein zu sagen.

INFO

www.niederlande.de
Offizielle Homepage des Tourismusamtes der Niederlande mit allen Infos rund um Städte und Regionen.

ANREISE

KLM fliegt täglich ab zehn deutschen Städten (zum Beispiel München, Berlin, Frankfurt, Hamburg) nach Amsterdam Schiphol. Hin- und Rückflug kosten ab 89 Euro, www.klm.de

HOTELS

Hotel The Toren (Keizersgracht 164) Das in Familienbesitz befindliche Boutiquehotel gehört sicher zu den schönsten 4-Sterne-Häusern der Stadt und liegt in unmittelbarer Nähe zum Homomonument und dem Anne Frank Haus. Doppelzimmer ab 140 Euro, www.thetoren.nl

Mercure Amsterdam Arthur Frommer (Noorderstraat 46) Das ruhig gelegene Hotel innerhalb des Grachtengürtels und in Nähe des Rijksmuseums gehört zur Rainbowselection der Accor-Gruppe und bietet ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Doppelzimmer ab 79 Euro, www.rainbowselection.com/de

Anco Hotel (Oudezijds Voorburgwal 55) Das von einem Österreicher geführte Gay-Hotel liegt inmitten des Rotlichtviertels und nahe der Lederszene in der Warmoesstraat. Einzelzimmer ab 75 Euro, www.ancohotel.nl

AUSGEHEN

Cafe de Jaren (Nieuwe Doelenstraat 20-22) Die Terrasse an der Amstel ist der perfekte Platz, um seinen Kaffee mit Apfelkuchen zu genießen. Die unmittelbare Nähe zur Universität sorgt auch für attraktive Ausblicke jenseits des Panoramas, www.diningcity.nl/cafedejaren

Getto (Warmoesstraat 51) Schwules Restaurant und Bar, www.getto.nl

Prik (Spuistraat 109) Wer Cocktails und schöne Männer liebt ist hier genau richtig: Am Wochenende verwandelt sich der hintere Teil dieser alternativ-lockeren Bar in eine kleine Tanzfläche. Im Gedrängel wird das Kontakteknüpfen zum Kinderspiel, www.prikamsterdam.nl

Taboo (Reguliersdwarsstraat 45) Der im Moment einzige Grund, die einstige Homomeile Reguliersdwarsstraat zu besuchen. Beliebter Treff nach Büroschluss und weit darüber hinaus, www.taboobar.nl

Club Church (Kerkstraat 52) Beliebter Cruisingclub mit wechselnden Mottopartys, www.clubchurch.nl

Alle Adressen im Spartacus International Gay Guide und der iPhone-App