Die an berühmten Söhnen nicht arme Stadt zwischen den Flüssen Rhône und Saône ist vor allem durch ihn bekannt geworden: Sternekoch Paul Bocuse. Der mittlerweile 82-Jährige sorgt seit über vier Dekaden für den Ruf Lyons als „la ville de gueule“, die Gourmetmetropole. Die unzähligen ausgezeichneten Restaurants, nicht zuletzt Bocuse‘ vier Himmelsrichtungslokale Le Nord, Le Sud, L’Est und L’Ouest, sprechen für sich.

Die durch Foie Gras und andere kulinarische Schweinereien angefutterten Kalorien lassen sich am besten am Rhône-Ufer abstrampeln – auf einem der unzähligen Mieträder, die in der ganzen Stadt herumstehen und die man auch stundenweise mieten kann. Die Flusspromenade wurde erst 2007 auf einer Strecke von fünf Kilometern mit Rad- und Fußwegen ausgebaut und so der Öffentlichkeit komplett zugänglich gemacht. Am Ufer liegen jede Menge Restaurantund Clubboote, auf denen abends immer was los ist, die aber auch nachmittags für eine Kaffepause oder einen Apéro gut sind. Oder man guckt im Skaterpark den Jungs dabei zu, wie sie mit ihren Boards durch die Halfpipe sausen – wenn es im Sommer heiß wird auch gern oben ohne. Gleich daneben ragen ein paar retrofuturistische Türme in den Himmel, die wie aus einem 70er Jahre Science-Fiction-Comic wirken. Es sind die Fluter des Freibades, das dort im Sommer für weiteres Frischfleisch sorgt – die nötige Abkühlung inklusive.

Einen Besuch lohnt auch die Nationaloper von Lyon, nicht nur wegen des tollen Blicks aus dem Restaurant unterm Dach, sondern vor allem wegen des vielseitigen Programms aus Oper (Ende Mai etwa Benjamin Brittens „Tod in Venedig“ nach Thomas Manns Novelle und im Juni die „La Traviata“-Inszenierung des 2008 verstorbenen Regisseurs Klaus Michael Grüber), Ballett, modernem Tanz und Konzerten. Vor dem imposanten Eingang üben meist ein Dutzend Jungs ihren Streetdance – und das schon so lange, dass die Oper sie irgendwann reingeholt hat und die besten von ihnen nun fördert. Sie sind mittlerweile fester Bestandteil des im Wechsel mit der Kunstbiennale stattfindenden Tanzfestivals.

Auch sonst hat die Stadt für Kulturschwuppen einiges zu bieten, sind doch der „Kleine Prinz“-Erfinder Antoine de Saint-Exupéry und die Gebrüder Lumière geborene Lyoner. Letztere haben 1895 mit ihrem Cinématographen das Kino erfunden. Zu ihren Ehren gibt es auf dem Gelände ihrer alten Fabrik ein sehr sehenswertes Museum, in dem auch die zeitgenössische Filmkunst gepflegt wird. Ein Fixpunkt im Kalender jedes französischen Technofans sind die Nuits Sonores, ein Elektromusikfestival, das dieses Jahr zum achten Mal stattfindet und sich die halbe Stadt zu eigen macht. Stillgelegte Fabrikgelände, alte Hausboote, das Freibad an der Rhône: Überall werden Partys gefeiert, legen DJs auf oder geben Acts In den letzten Jahren Underworld, DJ Krush und Einstürzende Neubauten Konzerte.

Es ist wie ein Volksfest: Die Straßen sind voller junger Leute, überall wird getanzt und gefeiert und auch die lokale Homoszene ist dabei. Doch auch im Winter lohnt sich eine Reise in die Stadt der zwei Flüsse. Im Dezember feiert Lyon die Fête des Lumières, das Lichterfest, und die ganze Stadt wird erleuchtet – von kleinen Kerzen, die die Lyoner in ihre Fenster stellen bis zu imposanten Lichtinstallationen, die in den Nachthimmel strahlen. Vier Millionen Menschen laufen jedes Jahr staunend durch die Altstadtgassen. Vor zehn Jahren ernannte die Unesco die zweitausendjährige Altstadt mit ihren „Traboules“ zum Weltkulturerbe. Am besten erlebt man diese engen, oft Dutzende Meter langen Durchgänge zwischen einzelnen Häusern zu Fuß.

Für eine kleine Stärkung zwischendurch muss man nie weit laufen. Zum einen ist Lyon durch die Berge und die beiden Flüsse natürlich begrenzt, außerdem verfügt die Stadt angeblich über die höchste Restaurantdichte des Landes. Wenn man durch die Altstadt läuft, zweifelt man keine Sekunde daran. Aber auch an Homokneipen mangelt es der drittgrößten Stadt Frankreichs nicht, Lyon ist ordentlich bestückt. Ob die Bärenkneipen Forum Bar und Station B, die trendige Booster Bar oder die Jungsdisco United Café – hier ist für jeden was dabei. Und mit der Großraumdisco La Chapelle hat man gar eine multisexuelle Technohochburg mit internationalem Ruf.

Der Weg auf den Hügel auf der anderen Flussseite lohnt sich allemal: In den alten Gemäuern feiert eine wilde, sexy Meute unter einer warholesken Interpretation des Freskos aus der Sixtinischen Kapelle zu House und Techno. Im Sommer wird der Jardin d’Eden, der Garten Eden des Anwesens geöffnet und man kann sich bei Barbecue stärken oder anderweitig seinen Appetit stillen. Wenn dann frühmorgens die Sonne am Horizont aufgeht, wähnt man sich wirklich im Paradies.
(Veröffentlicht in Spartacus Traveler 02/2009)

INFO

www.lyon-france.com
Offizielle Homepage des Tourismusamtes

ANREISE

Direktflüge nach Lyon bietet Lufthansa ab München und Düsseldorf, Air France ab Frankfurt und Stuttgart, ab allen anderen Flughäfen gibt es Flüge über Paris oder Amsterdam. Preise ab 100 Euro
www.lufthansa.de
www.airfrance.de

Der Hochgeschwindigkeitszug TGV braucht ab Paris zwei Stunden bis Lyon, www.tgveurope.de

HOTELS

Cour de Loges (2-8, rue du Boeuf) Edel-eklektisches Nobelhotel in Renaissancegemäuern aus dem 14., 16. und 17. Jahrhundert, www.courdeloges.com

Collège Hotel (5, place Saint Paul) Bezahlbares Designhotel im Stil eines alten Knabeninternats mit antiker „Mensa“. Très charmant! www.college-hotel.com

Le Patio des Terreaux (9, rue Sainte-Catherine) Keine zwei Minuten von der Oper und dem Rathaus entfernt liegt dieses gayfriendly Mittelklassehotel, www.lepatiodesterreaux.fr

AUSGEHEN

Booster Bar (22, rue Serlin)Trendige Gaybar mit feierfreudigem Publikum, vor allem am Wochenende, www.boosterbar.fr

Broc’ Bar (20, rue Lanterne) Nette Homobar mit kleiner, feiner Terrasse.

La Chapelle Café (8, quai des Célestins) Schicker Café-Ableger des Disco-Imperiums. Nicht nur, um auf den kostenlosen Shuttle zum Club zu warten, www.lachapelle-lyon.fr

Les Feuillants (5, petite rue des Feuillants) DAS schwule In-Restaurant der Stadt mit exzellenter französischer Küche.

La Chapelle (60, Montée de Choulans) Großraumdisco in einer alten Kathedrale. Regelmäßige Gay Partys mit internationalen DJs, aber auch sonst immer hoher Homoanteil. Mit Lounge und im Sommer auch draußen, im Garten Eden, www.lachapelle-lyon.fr