2009 war das Jahr, in dem die oberösterreichische Stadt Linz sich neu erfand. Als Kulturhaupstadt Europas zog die Donaustadt, die stets mit dem Makel als Hitlers Lieblingsstadt behaftet war, scharenweise Besucher aus aller Welt an. Linz hat sich verändert. Auch heute noch profitiert die Stadt von ihrem gelungenen Konzept, Altes mit Neuem, Tradition mit Zukunft zu verbinden. Nutzt man die Donau als Reiseweg – sei es mit dem Fahrrad entlang des berühmten Radwegs von Passau ans Schwarze Meer oder mit einem der immer beliebteren Flusskreuzfahrtschiffe, zeigt sich gleich bei Ankunft die Vielfalt der Stadt.

Auf der einen Seite thront hoch über Linz die barocke Wallfahrtsbasilika „Sieben Schmerzen Mariä“ auf dem Pöstlingberg. Direkt am Ufer stehen dagegen die Repräsentanten des neuen Linz. Da ist zum einen das in der Nacht in Rot und Blau erstrahlende Lentos Kunstmuseum, in dem sich seit Oktober eine Sonderausstellung mit Thema „Der nackte Mann“ beschäftigt. Mit Werken von Andy Warhol, Keith Haring, Pierre & Gilles und Gilbert & George ist für den entsprechenden Homofaktor gesorgt.

Es sind meist kulturelle Höhepunkte wie diese Ausstellung, das Pflasterspektakel oder die visualisierte Klangwolke, die immer wieder auch schwule Besucher in die Stadt lockt. Für Klassikliebhaber ist Linz sowieso ein Begriff, gehört das Brucknerfest im September zu einem der großen österreichischen Musikveranstaltungen. Auch das Motto des Jahres 2012, „Klassisch anders“, hätte man natürlich leicht mit schwulen Inhalten in Verbindung bringen können – war aber nicht so.

Dem echten Brucknerfan dürfte das ziemlich egal sein, sein Interesse wird wohl eher dem vor den Toren der Stadt liegenden Stift St. Florian liegen. Hier lebte Anton Bruckner von 1845 bis 1855, spielte an der großen Orgel und ließ sich in einer Gruft direkt unter dem geliebten Instrument beisetzen. Doch zurück nach Linz an die Donau, denn dort befindet sich gegenüber dem Kunstmuseum ein weiteres Highlight moderner Architektur.

Seit 1979 findet in Linz jedes Jahr das Ars Electronica Festival statt, das sich als eines der ersten mit dem Verhältnis von Mensch und Maschine sowie mit modernster Computertechnologie beschäftigte. Ob Roboter, Gentechnik, Cyberspace – im sogenannten „Futurelab” arbeiten Spezialisten auf aller Welt an den Technologien der Zukunft. Dank des Kulturhauptstadtetas konnte 2009 das Ars Electronica Center eröffnet werden, in dem eben jene Projekte den Besuchern präsentiert werden. Dass das Center das am meisten besuchte Museum der Stadt ist, zeigt, wie sehr die Stadt ihr Image vom heimeligen und eher unspektakulären Städtchen ablegen konnte.

Dazu beigetragen haben auch alternative Kunstprojekte wie der „Höhenrausch“. Erstmals während des Kulturhauptstadtjahres 2009 initiiert, gab es auch 2011 einen Parcours, der hoch über den Dächern von Linz über Parkdecks und Kirchtürme, Terrassen und Giebel führte. Im Sommer 2012 wurde aus dem Höhen- dann ein Sinnesrausch – mit vielen neuen Elementen. Als elementares Erlebnis könnte man auch einen Besuch in den Stahlwerken der Voestalpine beschreiben.

1938 wurde dieses Denkmal der Industriekultur als Hermann-Göring-Werke gegründet, heute ist die Anlage Teil der österreichischen Voestalpine AG, einem international tätigen Stahlkonzern mit über 40.000 Mitarbeitern. Bei einer Werkstour der „Stahlwelt“ ist neben dem Besuch des futuristischen Firmenmuseums besonders der Blick in die Halle mit dem Hochofen äußerst spannend, in der beim Anstich glühend heißer Stahl funkensprühend aus dem Ofen schießt. Weit weniger Hitze ist bei der Herstellung eines anderen Linzer Produktes gefragt. Die Linzer Torte, die mit ihrem Johannisbeerbelag und dem unverwechselbaren Teiggitter eher einem Kuchen gleicht, ist sozusagen der kulinarische Botschafter der Stadt. Und zwischen all den Kulturhightlights sollte man sich eine Auszeit bei Kaffee und Kuchen auf alle Fälle gönnen.

INFO

www.linz.at/tourismus
Offizielle Website der Stadt Linz mit zahlreichen Tipps, Terminen und Infos für Besucher.

HOTELS

Die SPARTACUS Hoteltipps für Linz

AUSSTELLUNG

Der nackte Mann
26. Oktober bis 17. Februar 2013
www.lentos.at