Man kann sich kaum sattsehen. Wer das Glück hat, beim Anflug auf Kapstadt auf der richtigen Seite (meistens rechts) am Fenster zu sitzen, wird schon vor seiner eigentlichen Ankunft mit einem Blick belohnt, den man so schnell nicht wieder vergisst. Als hätte jemand mit ein paar Pinselstrichen einen Wolkenschleier über ihn getupft, thront der mächtige Tafelberg über der nach ihm benannten Bucht. Dazwischen, ein wenig eingeklemmt zwischen Berg und Ozean, liegt jene Stadt, die seit vielen Jahren zu den festen Größen im internationalen Gay-Tourismus gehört – auch wenn ihr agressiv um schwule Urlauber werbende Ziele in Südamerika und den USA ein wenig den Rang ablaufen.

Seit sich die Republik Südafrika im Jahr 1996 eine – in Bezug auf Homo- und Menschenrechte – der liberalsten Verfassungen dieses Planeten gegeben und sich als „Regenbogennation“ neu erfunden hat, wurde Kapstadt schnell zum beliebten Reiseziel. Als erste Siedlung der südafrikanischen Kolonialgeschichte mit dem Beinamen Mutterstadt („Mother City“) belegt, spiegelt Kapstadt die wechselhafte Geschichte eines Landes wider, das sich einst wegen seiner Apartheidspolitik ins Abseits der Weltgemeinschaft stellte. Die Vielfalt der Stadt lässt sich am einfachsten bei einer Fahrt mit einem der roten Doppeldeckerbusse erkunden, die alle Sehenswürdigkeiten auf einer Hop-on Hop-off-Tour erkunden.

Vom Aquarium geht es vorbei an der berühmten Victoria & Alfred Waterfront durch die Innenstadt und den zu Apartheidzeiten plattgemachten District Six bis zur Gondelstation am Tafelberg. Über die Strände von Camps Bay und Clifton und mit Blick auf die Gefängnisinsel Robben Island kehrt man über Sea Point und vorbei am imposanten Fußballstadion zurück zum Ausgangspunkt. Spätestens beim Halt in Camps Bay zieht es einen jedoch erst einmal ans Meer. Die weißen Strände und der türkisblaue Ozean sind die eigentlichen Attraktionen, warum man als schwuler Urlauber in Kapstadt gerne ein paar Tage länger verbringt als der durchschnittliche deutsche Rundreisetourist. Während Camps Bay mit seinen trendigen Cafés, dem breiten Sandstrand und der von Palmen gesäumten Straße ein wenig an Kalifornien oder auch Sydneys Bondi Beach erinnert, sind es die schwulen Strände von Sandy Bay und Clifton 3, die bei Schwulen besonders beliebt sind.

Hier liegen in der Hauptsaison zwischen Oktober und März jede Menge gutaussehender Kerle, die entweder faul in der Sonne dösen oder sich am Strand mit Volleyball oder Tennis die Zeit vertreiben, eines jedoch tunlichst vermeiden: ins Wasser zu gehen. „Wenn man hier jemanden im Ozean sieht, muss es ein Deutscher sein“, meint Marc und grinst. Der blonde Südafrikaner mit Zahpastalächeln und sonnengebräunter Haut ist von Beruf Marketing Manager und oft am Clifton 3 zu finden. Ob alleine oder mit Freunden, für Marc ist der Clifton 3 der perfekte Ort zum Entspannen. Der Strand mit seinem feinen Sand und den großen Granitfelsen liegt in einer vom oft stark wehenden Südwestwind („Cape Doctor“) geschützten Bucht, allerdings bläst der Wind das wärmere Oberflächenwasser hinaus aufs Meer. Wassertemperaturen von etwa 15 Grad sind an den Stränden Kapstadts keine Seltenheit und man muss schon ziemlich abgehärtet sein, einen längeren Aufenthalt im Atlantik auszuhalten. Doch wozu gibt es Pools?

In schwulen Gästehäusern und Hotels gehört ein Pool zum Standard, einen besonders schönen gibt es im The Glen, das nicht weit vom Clifton Beach entfernt liegt. Wer nicht unbedingt Wert darauf legt, in einem Gay Resort zu wohnen, findet luxuriöse Alternativen wie das familiär geführte und in schwulem Besitz befindliche Manna Bay Boutique Hotel am Fuße des Tafelbergs oder das One & Only Resort an der Victoria & Alfred Waterfront. Service wird in beiden Unterkünften groß geschrieben – und das zu einem vernünftigen Preis.

Der gilt auch für die Restaurants der Stadt. Während Artikel des Tagesbedarfs, Elektronik und Mode vergleichsweise teuer sind, kann man sich ein 3- oder 4-Gänge Menü in einem der besten Restaurants der Stadt durchaus einmal leisten – und kommt samt Wein und Champagner mit umgerechnet unter 50 Euro davon. Da macht es Lust, Südafrikas Spezialitäten wie Strauß, Springbock, Kudu-Antilope oder die Vielfalt an Fisch und Meeresfrüchten zu entdecken.

Wer die Tiere lieber in freier Natur anstatt auf dem Teller vor sich hat, bekommt auf dem Weg ans Kap der Guten Hoffnung vielleicht ein paar zu Gesicht. Neben Straußen, Zebras und Pavianen im Table Mountain National Park sind es vor allem die Pinguine am Boulders Beach, die regelmäßig für Entzücken sorgen – und das nicht nur bei schwulen Touristen. Die findet man abends dann ebenfalls in Kapstadts Szeneviertel Greenpoint, wo man zwischen den Bars Manhattan, Code und Crew hin- und herpendelt, um schließlich in letzterer den Rest der Nacht zu verbringen. Auch Marketing Manager Marc begiebt sich hier gerne auf die Tanzfläche und sein strahlendes Lächeln nimmt es mit dem Glitzern der Discokugel locker auf.

INFO

www.capetown.travel
Offizielle Hompepage von Kapstadt mit zahlreichen Tipps für Hotels, Restaurants, Ausflüge und Events.

www.southafrica.net
Auf der Website von South Africa Tourism finden sich alle Infos rund um die Regionen, die Reiseplanung und Angebote.

ANREISE

South African Airways fliegt täglich ab Frankfurt über Johannesburg nach Kapstadt. Hin- und Rückflug kosten ab 690 Euro. Angebote auf der Website beachten.
www.flysaa.com

Gerade für Ausflüge in die Umgebung oder für eine Weiterreise entlang der Garden Route ist ein Mietwagen sinnvoll. Achtung: In Südafrika herrscht Linksverkehr. Bei Holidayautos kostet eine Woche Mietwagen ab/bis Kapstadt ab 132 Euro. Buchbar im Reisebüro oder Tel. 01805 179 191 (0,14 Euro aus dem dt. Festnetz), www.holidayautos.de

HOTELS

Manna Bay (1 Denholm Road) Das am Fuße des Tafelbergs gelegene, in schwulem Besitz befindliche Boutique Hotel bietet neben einem tollen Blick auf Kapstadt einen hervorragenden Service und stilvolles Ambiente, www.mannabay.com

One & Only Cape Town (V&A Waterfront) Direkt an der Waterfront gelegen hat man in diesem Luxusresort die Wahl: Entweder man wohnt im Haupthaus mit Blick auf den Tafelberg oder man logiert in einer der Villen direkt am Pool, www.capetown.oneandonlyresorts.com

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