Endlich mal eine Geburtstagsparty, bei der man sich nicht fragen muss, ob man im Frack oder im Freizeit-Outfit aufkreuzen soll. Nein, bei der 20-Jahr-Feier des Winter Prides zu Whistler liegt man mit Schneehose und Skijacke garantiert richtig. Und wenn man beides im Eifer des Gefechts abwirft, ist es auch in Ordnung. Spätestens beim traditionellen Snowball laufen hier sowieso alle Kerle mit freiem Oberkörper rum.

Die Ungezwungenheit ist es schließlich, was die schwule Skiwoche seit 20 Jahren so erfolgreich macht. Begonnen hat das Event mit einer fixen Idee. Brent Benaschak, der mit seinem Lover in Whistler ein Bed & Breakfast betrieb, rief 1992 ein schwules Wintersport- Wochenende ins Leben, um die Gästezahlen seiner Pension in die Höhe zu treiben. Der Plan ging auf. 200 Teilnehmer nahmen am ersten schwulen Skievent Kanadas teil, was Benaschak dazu ermutigte, die Veranstaltung im Folgejahr auf eine Woche auszudehnen. Die Gay Ski Week „Altitude“ war geboren. Schon bald lockte sie 3000 Gäste jährlich in die Whistler Mountains, und Benaschak wurde im Jahr 2001 von der kanadischen Homozeitung Xtra als „Business Citizen of the Year“ geehrt. Am 30. Dezember 2003 starb er unerwartet im Alter von 41 Jahren. Zur Todesursache schwieg seine Familie sich aus, sie befürwortete aber das Fortbestehen der Homo-Skiwoche – was zwei Jahre lang auch gelang.

Im Januar 2006 jedoch, zwei Wochen vor Beginn der 14. „Altitude“, wurde das Event plötzlich abgesagt. „Aufgrund kurzfristiger Probleme, die wir nicht bewältigen können, sind wir gezwungen, das diesjährige Programm zu Canceln“, verkündeten die Organisatoren geheimnisvoll, während verprellte Teilnehmer in Online-Foren über „interne Dramen“, „Drogenskandale“ und die zahllosen „Angry Queens Out There“ tratschten. In letzter Minute wurde die Veranstaltung dann doch noch gerettet. Von einem neuen Organisationsteam, das unter dem Namen „Gay Whistler“ operierte. Aus der „Altitude“ wurde die „Whistler Gay Ski Week“, die ein Jahr später nochmals in „Winter Pride“ umgetauft wurde.

Der Name blieb. Und die Veranstaltung wuchs erneut. Zum Jubiläum erwarten die Macher rund 4000 Gäste, die sich auf 200 Pisten, in 37 Liften und bei 60 unterschiedlichen Sonderveranstaltungen austoben können. Zu letzteren gehören neben dem Snowball auch Pool-Partys, Special-Dinners und Charity-Rennen. Sogar Nicht-Skiläufer brauchen Dank Hundeschlitten-, Ziptrek-Seilbahn- und Schneemobilangeboten keine Angst vor Langeweile zu haben.

Brent Benaschak wäre sicher stolz, wenn er sehen könnte, wie riesig seine fixe Idee inzwischen geworden ist. Drei Jahre vor seinem Tod nannte er seinen größten Verdienst, „in Whistler mit ein paar Stereotypen aufgeräumt und die Einstellung gegenüber Schwulen verändert zu haben“. Heute ist es Bürgermeister Ken Melamed höchstpersönlich, der den Homos zum Winter Pride seine „wärmsten Grüße“ zukommen lässt, und es sind prominente Locations wie das Whistler Conference Center, die ihre Tore für schwule Partys öffnen.

Zu Feiern gibt es also mehr als genug bei der Geburtstagsedition der geschichtsträchtigen Skiwoche. aber was soll man schenken? Auch das ist schnell beantwortet. Die nötige Pistenfitness und Feierlaune reichen eigentlich vollkommen. Die Veranstalter freuen sich allerdings, wenn Stammgäste Fotos oder Videos von vorherigen Besuchen mitbringen.

Winter Pride Whistler
5. bis 12. Februar 2012
www. gaywhistler.com