Kurz vor Mitternacht passiert es dann doch: Sonnenuntergang. Oft hat man davon gehört, doch irgendwie kann man es sich schwer vorstellen. Wer im Frühsommer hoch in den Norden Europas reist, wird mit einem Phänomen konfrontiert, das man im nur 300 Kilometer entfernten Sankt Petersburg als „Weiße Nächte“ feiert. Ein Großteil der Nacht wird zum Tag, weil die Sonne um diese Jahreszeit nur für wenige Stunden hinter dem Horizont verschwindet. In Helsinki weiß man die Zeit zu nutzen – schließlich hat man im Gegenzug den Winter viel zu lange im Dunkeln verbracht. Kein Wunder, dass sich in der finnischen Hauptstadt das Leben im Sommer vor allem draußen abspielt.

Sommer, Sonne und der Geruch der Ostsee. Wer vom Stadtzentrum kommend den großen Prachtboulevard Esplanade, an dem sich alle wichtigen, mit Designgut vollgestopften Flagship-Stores aneinanderreihen, hinunter Richtung Hafen spaziert, sieht Helsinki von seiner schönsten Seite. Das etwas altmodische Wort Flaniermeile trifft die Beschreibung wohl am besten. Zwischen den Straßen der Esplanade liegt eine breite Fußgängerzone mit Grünstreifen, Brunnen, einem kleinen Musikpavillon und Cafés, in denen man herrlich in der Sonne sitzen und die vorbeiziehenden Menschen beobachten kann.

Auf dem kleinen Marktplatz ein paar Meter weiter sind es vor allem frische Erdbeeren, die die Auslagen der Stände gerade dominieren. Es dauert keine halbe Stunde, bis einen die Fähre vom geschäftigen Treiben der Esplanade nach Suomenlinna gebracht hat. Die nahe gelegene Insel mit ihrer zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Festung ist ein beliebtes Ausflugsziel für Städter, sei es für Spaziergänge, ein Bad im Meer oder ein geselliges Picknick mit Freunden.

Pihlajasaari, eine weitere Schäre, ist dagegen für ihren bei Schwulen beliebten Nacktbadestrand bekannt. Helsinki – das ist eine recht einzigartige Mischung aus Nord- und Osteuropa, aus Russland und Skandinavien. Das spiegelt sich in so imposanten Bauwerken wie der finnisch-orthodoxen Uspenski-Kathedrale ebenso wie in der Liebe zu Design und individueller Mode. Besonders ein Spaziergang durch den Designdistrikt, den man am besten im Design Forum Finland beginnt, macht deutlich, wie viel Kreativität in dieser Stadt steckt. Ob eher edel gehaltene Boutiquen für Mode oder Schmuck, kunterbunte Secondhandshops oder Ateliers für Kunsthandwerk. Ein Streifzug rund um den Park Dianapuisto kann zu einer echten Entdeckungsreise ausarten, die man nur ungern beenden will. Nicht umsonst trägt Helsinki im Jahr 2012 den Titel World Design Capital, zahlreiche Ausstellungen und Kongresse kündeten schon ein Jahr davor von einer betriebsamen Ernsthaftigkeit, mit der sich die Stadt auf den Titel vorbereitet hat.

Ihre Alleinstellung als größte und wichtigste Stadt eines großen, aber dünn besiedelten Landes macht Helsinki automatisch zum attraktivsten Ort für schwule Finnen. Die Szene ist sicher ähnlich divers wie anderswo in Europa, dennoch rücken Schwule und Lesben ein wenig enger zusammen, als dies vielleicht in Paris, Berlin oder London der Fall ist. In vielen Bars und Clubs, wie dem sehr beliebten Vatican (ehemals Jenny Woo), feiern und trinken Homofrauen und -männer meist zusammen.

Wobei das Trinken von Alkohol wegen der recht hohen Preise und der Tatsache, dass man Hochprozentiges beim Mixen bis auf den Milliliter abmisst, ein wenig frustrierend sein kann. Amüsanter ist da schon ein Abstecher in den Bärenpark, einen kleinen Platz im Stadtteil Kallio, auf dem ein paar alternative Gays einen kleinen Kiosk mit dem treffenden Namen Bear Park Café gesetzt haben. Von hier aus ist es auch ein Katzensprung zur Kotiharjun-Sauna, einer von Helsinkis ältesten öffentlichen Saunen, die noch mit Holz befeuert wird. Wem ein Saunagang mit heterosexuellen Finnen in dieser in Helsinki bekannten Institution allerdings ein wenig zu authentisch ist, empfiehlt sich ein Ausflug nach Saunasaari.

Auf der kleinen Insel vor Helsinki kann man sich sein privates Sauna-Blockhaus mieten und unter professioneller Anleitung die Tradition der finnischen Saunakultur erklären lassen. Das gemeinsame Schwitzen ist übrigens auch ein fester Termin im Rahmenprogramm des Gay Prides, der im Juni stattfindet.

Neben Kultur- und Partyevents ist die zentrale Veranstaltung eine Parade, die vom klassizistischen Senatsplatz vorbei am Kaufhaus Stockmann und dem Bahnhof zu einem Park in der Nähe des Opernhauses führt. Dort endet der sehr politisch geprägte Demonstrationszug und mündet in ein großes Open-Air-Fest. Das dauert bis in den späten Abend – trotzdem ist vor Sonnenuntergang Schluss.

INFO

www.visithelsinki.fi
Offizielle Tourismusseite von Helsinki mit vielen Infos zu Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Shopping und Terminen. Spezielle Infos für Gays auf der englischsprachigen Version unter der Rubrik „For You“.

www.visitfinland.com
Allgemeine Reiseinfos über Finnland und seine Regionen. www.guys.fi Die finnische Dating-Website bietet zugleich einen aktuellen Gay Guide für Helsinki und andere Städte.

ANREISE

Die zur SAS gehörende Fluglinie Blue1 fliegt täglich von München und Berlin nonstop nach Helsinki. Hin- und Rückflug kosten ab 120 Euro. Ab Frankfurt fliegt Lufthansa bis zu viermal täglich den Flughafen von Helsinki an (ab ca. 150 Euro).
www.blue1.de
www.lufthansa.com

HOTELS

Klaus K (Bulevardi 2–4) Das in Privatbesitz befindliche Designhotel liegt sehr zentral und gehört zu den bekanntesten Adressen der Stadt. Großes Frühstücksbuffet mit regionalen Produkten, www.klauskhotel.com

Hotel Haven (Unioninkatu 17 ) Zu „Small Luxury Hotels of the World“ gehörendes Hotel am Hafen mit 77 Zimmern und drei Restaurants, www.hotelhaven.fi

Weitere Hotels

AUSGEHEN

Juuri (Korkeavuorenkatu 27) Moderne finnische Küche und bekannt für seine kleinen „Sapas“-Appetizer, www.juuri.fi

Bellevue (Rahapajankatu 3) Traditionsreiches russisches Restaurant, www.restaurantbellevue.com

Bear Park Café (Karhupuisto Kallio) Nur bei schönem Wetter geöffnet, www.bearparkcafe.net

A21 Cocktail Lounge (Annankatu 21) Die wohl derzeit beste Cocktailbar Finnlands, www.a21.fi

Hugo’s Room (Iso Roobertinkatu 3) Beliebte Gay-Bar und Cocktaillounge, www.hugosroom.fi

DTM (Iso Roobertinkatu 28) Größter Gay-Club Skandinaviens, www.dtm.fi

TIPP

World Design Capital 2012
Für das Jahr 2012 wurde Helsinki vom International Council of Societies of Industrial Design (icsid) zur Welt-Design-Hauptstadt ausgerufen.
www.wdc2012helsinki.fi

Aller weiteren Adressen gibt es im SPARTACUS INTERNATIONAL GAY GUIDE oder der SPARTACUS iPhone App!