Schuld war das Murmeltier. Die in den Bergen lebenden Nager sind bekannt für ein ausgezeichnetes Frühwarnsystem, um sich vor Fressfeinden rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Mit einem lauten Pfeifen schlagen einige als Wächter abgestellte Exemplare Alarm. Dieses Pfeifen (englisch: whistle) gab der Region zwischen dem Whistler und Blackcomb Mountain ihren Namen. Das Tal dazwischen diente einst als Handelsroute der Indianderstämme Squamish und Lil’wat. Nur etwa 125 Kilometer von Kanadas Westküstenmetropole Vancouver entfernt, sind die Berge im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel zum Wandern oder Mountain-Biking, auch ist die Umgebung Whistlers bekannt für ihre große Population von Schwarzbären.

Spätestens seit 2010 ist Whistler auch Europäern ein Begriff. In diesem Jahr fanden in Vancouver und Whistler die Olympischen Winterspiele statt. Mit seinen 33 Quadratkilometern Pistenfläche und über 200 markierten Abfahrten ist das Skigebiet das größte in Nordamerika. Ob Anfänger oder Profi, ob Alpinfan oder Snowboarder: Whistler Blackcomb hat für jeden Wintersportler etwas zu bieten. Erstmals in der olympischen Geschichte gab es in Whistler und Vancouver einen eigenen Treffpunkt für schwule und lesbischen Athleten. Das Pride House im Pan Pacific Centre Hotel war ein Statement gegen Homophobie im Sport und zugleich eine großartige Möglichkeit für homosexuelle Sportler, miteinander in Kontakt zu kommen. Das Engagement in Whistler für Schwule und Lesben kommt nicht von ungefähr.

Seit über 20 Jahren findet in dem Wintersportort der Winter Pride statt, der als Altitude im Jahr 1992 begann. Inzwischen ist die schwule Skiwoche weltweit die größte ihrer Art. Als man 2012 das 20-jährige Jubiläum feierte, kamen an die 4000 Teilnehmer in die kanadischen Berge, darunter auch Besucher aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. „Für mich sind schwule Skiwochen der Höhepunkt im Winterurlaub“, so Marco, der aus München zur Jubiläumsausgabe angereist war. „Ich habe mich hier mit Freunden aus Zürich und Los Angeles verabredet, wir machen so eine Woche mal in Europa, mal in Nordamerika. Das hier ist unser erstes Mal in Whistler und die Anzahl an Teilnehmern und das Programm sind schon beeindruckend.“

An die 60 unterschiedlichen Veranstaltungen finden während des Winter Prides statt. Neben den täglich angebotenen Skitouren, gibt es fixe Treffpunkte für gemeinsame Mittagessen und natürlich jeden Nachmittag einen Après Ski. Für Nichtskifahrer, die ihren Partner nicht alleine auf den Winter Pride lassen wollen, gibt es ebenfalls jede Menge Aktivitäten, die mitunter ebenso anstrengend sein können wie Skifahren. So kann man bei einer geführten Schneeschuhtour durch das benachbarte Callaghan Valley nicht nur seine Kondition testen, sondern erfährt gleichzeitig viel über die Tier- und Pflanzenwelt der Region.

Expeditionen mit dem Schneemobil oder Hundeschlitten sind ebenfalls ein Highlight. Wer den Adrenalinkick liebt, kann als Beifahrer in einem Bob die Olympiabahn hinuntersaußen – ein absolut einmaliges Erlebnis. Ebenfalls zu empfehlen: eine Ziplining Trekking Tour. Mit einem Seilbahnsystem, in das man sich in einem Geschirr hängend einklinkt, überquert man hoch über den Baumwipfeln die Täler rund um den Whistler Mountain.

Ganz komfortabel dagegen ist eine Fahrt mit der Peak- 2Peak-Gondola, die die Gipfel von Whistler und Blackcomb Mountain miteinander verbindet. Die Seilbahn mit der weltweit größten Spannweite ist auch für Nichtskifahrer zu erreichen und bietet bei klarer Sicht fantastische Blicke ins Tal. Allzusehr verausgaben sollte man sich bei den Aktivitäten allerdings nicht – schließlich wartet auf die Teilnehmer des Winter Prides ein abwechlungsreiches Abendprogramm. Während es die ersten Tage der Skiwoche noch etwas ruhiger zugeht, werden die Partys und Après Ski-Events ab Donnerstag zunehmend voller.

Jetzt reisen auch viele Gäste aus Vancouver und der nordamerikanischen Westküste für ein verlängertes Wochenende an. Neben dem Vancouver Pride ist der Winter Pride das größte Gay Event der Westküste. Und so kommt es, dass am Abend auch ordentlich gefeiert wird – sei es auf der Poolparty im Meadow Park Sports Centre oder den Themenpartys im Conference Centre. Höhepunkt ist der große Snowball am Samstagabend mit Gogo-Tänzern und Show-Einlagen. Das Programm für Sonntag steht da bereits fest: Ausschlafen.

INFO

www.whistler.com
Offizielle Homepage von Tourism Whistler mit alle Informationen rund um das Skigebiet.

www.gaywhistler.com
Alle Infos zum Winter Pride und homofreundlichen Hotels, Restaurants und Veranstaltern.

ANREISE

Lufthansa fliegt täglich von Frankfurt nonstop nach Vancouver. Hin- und Rückflug kosten um die 900 Euro. Auf Angebote der Website achten
www.lufthansa.com

Ab Vancouver verkehren mehrmals täglich Shuttlebusse nach Whistler. Mit Pacific Coach kosten Hin- und Rückfahrt mit dem YVR Whistler SkyLynx ab Vancouver Airport etwa 104 Kanadische Dollar, www.pacificcoach.com

HOTELS

Fairmont Chateau Whistler (4599 Chateau Blvd) Am Fuße des Blackcomb Mountain gelegen, ist das im Stil eines Schlosses gebaute Luxushotel Whistlers erste Adresse und Partnerhotel des Winter Prides, www.fairmont.de

Aava Whistler Hotel (4005 Whistler Way) Das Host-Hotel des Winterprides liegt nur einen Katzensprung vom Conference Centre entfernt, www.aavawhistlerhotel.com