LGBT-Skiwochen locken jedes Jahr ski- und snowboardbegeisterte Schwule auf die Piste. Aber was geht da eigentlich ab? Ein Besuch beim Gay Snow Happening in Sölden.

Text: Malte Göbel

 

Es ist wie eine Szene aus einem Klischee-Schwulen-Film: Einsam liegt die Hütte am Berg, da fährt ein Reisebus heran, und heraus strömen die Schwuppen. Sofort ist Leben in der Bude. DJ James legt „Viva Colonia“, „Moskau“ und „Atemlos“ auf, Bier und Sekt fließen in Strömen, alle singen mit, tanzen erst auf den Bänken, bald auf den Tischen, reißen sich schließlich die T-Shirts vom Leib. In der Hühnersteign-Hütte beim Gay Snow Happening in Sölden ist genau das keine Drehbuch-Fiktion, sondern die pure Realität.

Schwule und Heteros im Spaß-Wettkampf
Sölden Artikelbild C GSH

Regenbogen in den Alpen: Besucher des Gay Snow Happening Sölden. (Foto: GSH)

Sölden gilt mit seinen 13.000 Betten als „Alpen-Mallorca”, bekannt nicht nur für ein ausgedehntes Pisten-Gewirr, sondern auch für sein ausschweifendes Nachtleben mit ausgemachtem Ballermann-Anteil. Und das bedeutet vor allem: heterosexuelle Gäste. Zwar flattern an der Dorfstraße während des Snow Happenings tapfer ein paar Regenbogenfahnen im Wind, aber in der Masse der normalen Gäste drohen die paar schwulen Wintersportler unterzugehen. Die strategische Schlussfolgerung im Spaß-Wettkampf: Überzahlsituationen schaffen. Jeden Tag auf der Piste, Treffpunkt Regenbogenfahne auf dem Giggijoch. Und jeden Abend beim Après-Ski und zur Party in ausgesuchten Bars, Hütten und Discos. Zum Auftakt lädt das Snow Happening in den Club Philipp, erreichbar mit einer Zahnradbahn. Die Berliner Drag Queens Mataina Ah Wie Süß und Melli Magic nehmen die Gäste am Eingang kritisch in Augenschein und führen später durch den Abend. Die beiden schlagfertigen Damen sind seit Jahren beim Snow Happening dabei, zuständig für schlüpfriges Entertainment und die bissige Moderation des Karaoke-Abends im Partystadl.

Gay Snow Happening: Anbändeln mit dem Skilehrer?

Ein weiteres Highlight ist der Besuch der Gaislachkogl-Bergstation. Ein Lift führt bis zum Restaurant Ice Q, einem modernen Bau aus Glas und Stahl, bekannt aus dem James-Bond-Film „Spectre“. Vor dessen atemberaubendem Alpenpanorama lädt das Snow Happening zur Weinprobe: der „Pino 3000” reifte hier in über 3.000 Metern Höhe. Den Gästen der Skiwoche schmeckt er.

Und die einheimischen Schwulen? Treten kaum in Erscheinung. Es gibt welche, bestätigt Gay Snow Happening-Skilehrer Ferdi. Aber sexuelle Orientierung spiele auf der Piste keine Rolle, sagt der durchtrainierte Naturbursche. Und später, beim Après-Ski? Es gibt ja das Skilehrer-Klischee, dass sie kein Techtelmechtel auslassen. Nein, wehrt Ferdi ab, das sei verpönt. Anbändeln keinesfalls als Skilehrer, höchstens als Privatperson. Er zwinkert kurz, will aber leider auch als Privatperson nicht mit zum Après-Ski ins Marco’s.

Hier tummeln sich unter den Heizpilzen die Besucher, Bässe wummern und die heterosexuellen Normalo-Gäste wundern sich über die quietschenden und Sekt trinkenden Männer. Jeder plaudert mit jedem, doch viel Zeit bleibt nicht. Denn es wartet der Shuttle-Bus: Ab zur Hühnersteign für den nächsten Partyabend.

Gay Snow Happening: 25. März bis 1. April 2017

 

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