München ist schon sehr speziell. Auf der einen Seite ist die Stadt umgeben von konservativen Bastionen, die so idyllisch liegen, dass es einem in den Augen wehtut. Auf der anderen Seite ist die von Sozialdemokraten geführte bayerische Landeshauptstadt so tolerant, dass sie am CSD Schwule und Lesben im Rathaus eine riesige Party feiern lässt.

Bier, Brezn, Lederhosn – was vielen wie ein gut vermarktetes Klischee vorkommt, ist in München tatsächlich allgegenwärtig. Selbst unter Schwulen gehört es dazu, Trachtenhemd, Haferlschuh und Lederhose im Schrank zu haben. Getragen werden sie spätestens zum Oktoberfest, dem größten Volksfest der Welt, auf dem sich die Gay-Szene inzwischen ganz gemütlich eingerichtet hat. Was heißt gemütlich? Der schwule Wiesnauftakt am ersten Sonntag im Bräurosl-Zelt ist inzwischen so überlaufen, dass schon am frühen Vormittag die Eingänge dicht sind. Bereits um 9 Uhr morgens beginnt der Run auf die freien Plätze – glücklich da, wer entweder über Münchner Freunde eine Box reservieren konnte oder sich ein Kartenpaket des Münchner Leder Clubs (MLC) gekauft hat, mit dem er auf den Balkon und damit auch in den Rest des Zeltes kommt.

Wenn man erst einmal drin ist, erlebt man die Gaudi seines Lebens – sofern man Bier, Gejodel und Tausende betrunkener Buam mag, die schon mittags alle Hemmungen fallen lassen. Doch Sex im Zelt ist – trotz des MLC-Mottos „Bayerisch feiern, international schnacksln“ – tabu. Auch auf den Tischen tanzende Jungs, die sich ihr Hemd vom Leib reißen, werden von den Ordnern ermahnt und müssen sich züchtig verhüllen. Schließlich ist der Gay Sunday keine Orgie, die man tags zuvor auf der Löwennacht des MLC durchaus erlebt haben mag. Rund um den Gay Sunday veranstaltet der MLC sein Ledertreffen, zu dessen Programm auch Motorradtouren, Fetischpartys und Meet-&-Greet-Events gehören.

Vielen Münchnern ist der Gay Sunday inzwischen zu stressig. Sie überlassen das 6500 Sitzplätze fassende Zelt inzwischen den Touristen aus aller Welt und feiern „ihr“ Oktoberfest lieber unter sich. Wer also echte Münchner in lockerer Atmosphäre kennenlernen will, schaut lieber auf der Prosecco Wiesn in der Fischer Vroni am zweiten Wiesn-Montag oder zum schwulen Wiesn-Abschluss am letzten Tag im Schottenhammel vorbei. Das wohl schwulste Mitbringsel ergattert man in der Champagner-Bar des Hippodroms, der „Happy Hippo Bar“. Dort wird der Schampus in kleinen Moët- Bierkrügen ausgeschenkt.

Oktoberfest
17. September bis 3. Oktober
www.oktoberfest.de
www.rosawiesn.de
www.mlc-munich.de

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