Die Skeptiker haben Recht behalten. Als vor einigen Wochen eine Meldung die Runde machte, dass Indien sich verstärkt um schwule und lesbische Touristen bemühen wolle, waren Insider der Branche vor Ort verwundert. Erst am 30. Juni 2009 schaffte Indien ein 148-jähriges Kolonialgesetz ab, das homosexuelle Handlungen kriminalisierte, dennoch ist Schwulsein im Land ein Tabu. Das Verhältnis von Staat und Gesellschaft gegenüber Homosexualität gilt als schwierig.

Das bekam nun auch der westindische Bundesstaat Goa zu spüren. Kurz nach einem von der Internationalen Tourismsus Börse Berlin ITB veranstalteten Seminar zum Thema LGBT Tourismus während des Goa International Travel Mart (GITM) in Panaji zog der Staat seine Pläne zurück, sich mit Angeboten gezielt an Schwule und Lesben zu richten. Wie der asiatische katholische Pressedienst Ucanews am Freitag meldete, erfolgte der Rückzug auf Druck von Kirche und hinduistischen Gruppen. Das Erzbistum Goa habe in Gesprächen mit Regierungsvertretern deutlich gemacht, dass die Kirche entsprechende Initiativen nicht tolerieren werde, sagte der Generalsekretär des diözesanen Menschenrechtsrates „Justitia et Pax“, Maverick Fernandes, dem Pressedienst.

Widerstand kam Ucanews zufolge auch von hinduistischer Seite. Dattaram Sawant von der Hindu-Gruppe „Janajagruti Samiti“ sagte, Homosexuelle als Thema der Tourismusmesse seien „nur ein Versuch, Ärger zu schüren“.

Schwule Reiseveranstalter in Indien wissen um die Problematik im Umgang mit dem Thema Homosexualität und die Anfeindungen, denen Schwule und Lesben ausgesetzt sind. Zwar gebe es viele homofreundliche Hotels und schwule Angestellte innerhalb der Tourimsusbranche, allerdings wage kaum jemand, auch öffentlich gezielt um schwule und lesbische Touristen zu werben, so ein Vertreter des Spezial-Veranstalters „GoPink Asia“ gegenüber Spartacus Traveler.