Flitterwochen könnten in Deutschland ein riesiger Markt sein – wenn die Bundesregierung die Ehe öffnen würde. Für ihre Hochzeitsreise suchen Paare meist eine Mischung aus Action und Entspannung. Doch nicht in allen Ländern sind schwule Paare willkommen.

Text: Tobias Sauer

 

Auf den Tag genau 16 Jahre, nachdem sich Sören und sein Mann Christian kennengelernt haben, gaben sie sich im Juni im schottischen Edinburgh das Jawort – und sind seitdem ein verheiratetes Paar, denn anders als Deutschland hat Schottland längst die Ehe auch für Homo-Paare geöffnet. Anschließend ging es für die beiden, die eigentlich aus Trier in Rheinland-Pfalz stammen, erst einmal zum Flughafen: Die Flitterwochen standen vor der Tür.

100.000 Paare wollen heiraten, tun es aber nicht
Christian und Soeren C privat

Christian (links) und Sören. Bild: privat

Obwohl in Deutschland seit 15 Jahren eingetragene Lebenspartnerschaften für Schwule und Lesben als eine Art „Ehe light” erlaubt sind, gibt es erstaunlich wenige Statistiken über schwul-lesbische Paare und ihre Flitterwochen. Das Statistische Bundesamt schätzt, dass Ende 2014 rund 223.000 gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften bestanden, in denen beide Partner im gleichen Haushalt leben. Gleichzeitig haben sich aber nur 41.000 Paare verpartnern lassen. Aus Umfragen des amerikanischen Marktforschungsinstituts Out Now Consulting wiederrum weiß man, dass rund zwei Drittel aller Schwulen und Lesben hoffen, eines Tages heiraten zu können. Kombiniert man beide Zahlen, würden rund 100.000 Paare in Deutschland gerne heiraten, tun es aber nicht. Ein Grund für diese Zögerlichkeit dürfte die Politik der Bundesregierung sein. „Ich möchte keine Lebenspartnerschaft, sondern dieselbe Ehe wie meine heterosexuellen Freunde auch“, begründet Sören seine Entscheidung für die Hochzeit in Schottland statt in Deutschland. Für die Tourismuswirtschaft ist die fehlende Öffnung der Ehe ein Nachteil – weniger Hochzeiten bedeuten auch weniger Flitterwochen.

Riesenmarkt Hochzeitsreise
Oliver und Jermaine C privat

Oliver (links) und Jermaine. Bild: privat

Allein in Großbritannien geben schwule und lesbische Paare, erneut nach Angaben von Out Now Consulting, pro Jahr umgerechnet rund 60 Millionen Euro für die Flitterwochen aus. Immerhin, auch manche Verpartnerte gehen auf Hochzeitsreise – Jermaine und Oliver etwa, die in Berlin leben. Nach ihrer Verpartnerung im Mai ging es für die beiden im Sommer nach Italien, erst nach Rom, dann ans Meer bei Neapel. „Rom war Sightseeing bis zum Gehtnichtmehr“, erinnert sich Jermaine, der schon immer mal die antiken Ruinen der Stadt sehen wollte. In Süditalien stand dagegen Entspannung im Fokus. Auch Sören und sein Mann wählten diese Reihenfolge von Abenteuer und Relaxen für ihre Flitterwochen. „Wir sind zuerst nach Sri Lanka und dann auf die Seychellen gefahren“, erzählt Sören. Auf Sri Lanka interessierte sich das frisch verheiratete Paar vor allem für die Kultur und die Natur der Insel, die sie auf einer Safari kennenlernten. Entspannung stand dafür auf den Seychellen im Mittelpunkt. Für acht Tage mieteten sie eine Villa auf der Privatinsel Sainte Anne. „Das war wirklich ein Bonbon zum Schluss“, erinnert sich Sören und muss lachen: „Auch das Essen war so gut, wir haben beide viel zugenommen!“

Flitterwochen: Mischung aus Action und Entspannung

Neben der Mischung von Abenteuer und Entspannung war für beide Paare noch etwas anderes wichtig: eine für LGBTs offene Atmosphäre. „Jamaika soll zwar schön sein“, sagt Jermaine, „hat aber eine homophobe Gesetzgebung. Deshalb würden wir das Land nicht ansteuern.“ Auch für Sören und Christian war die Menschenrechtslage wichtig. „Unser Reisebüro hatte uns zunächst ein Ressort auf den Malediven empfohlen“, sagt Sören. „Aber da ist für Schwule die Rechtslage sehr problematisch.“ Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Ilga drohen schwulen Paaren auf den Malediven lebenslängliche Gefängnisstrafen. Auf Sri Lanka und den Seychellen dagegen werden Reformen diskutiert oder schon umgesetzt, die staatliche Diskriminierung zurückdrängen sollen. „Hier geht es in die richtige Richtung“, meint Sören. Für ihn und seinen Mann Grund genug, auch den längeren Flug in Kauf zu nehmen.

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