Es ist ein Wochenende der Superlative. Mit gut 140.000 Besuchern sind die Gay Days in Florida eines der größten Homoevents der USA und Vorbild eines jeden schwulen Freizeitpark-Tages. Partyjungs und Disneyfans laben sich hier an den Attraktionen wie Achterbahnen, 3D-Shows, Raumschiff-Simulationen und Shortmusicals wie „Finding Nemo“. Vier Tage lang ziehen Schwule und Lesben von Themenpark zu Themenpark und toben sich aus. Ihr Erkennungszeichen sind rote T-Shirts, die voller Stolz getragen werden. Als Höhepunkt der „Tour de Disney“ gilt der Samstag im Magic Kingdom, dem klassischsten aller Freizeitparks mit Cinderellas Märchenschloss als omnipräsentem Wahrzeichen. Hier versammeln sich um 15 Uhr tausende Schwule und Lesben, um während der Parade ihren Helden Mickey Mouse, Peter Pan, Aladin oder den Sieben Zwergen zuzujubeln.

Schon eine Stunde vorher stimmen besonders engagierte Lesben das Publikum mit La-Ola-Wellen und Schlachtrufen auf das Spektakel ein. Für viele der Besucher gehören die 2011 zum 20. Mal stattfindenden Gay Days zum festen Ritual. Ein Teil „borgt“ sich während der Gay Days Neffen, Nichten oder Patenkinder aus, um mit ihnen diesen für amerikanische Verhältnisse doch eher ungewöhnlichen Tag zu genießen. Und man passt sich so gerne den Hetero-Familien mit ihren dicken Kindern an, um den Tag trotzdem mit anderen Schwulen und Lesben zu genießen. Eine offizielle Unterstützung von Disney gibt es für die Gay Days freilich nicht. Zur Politik des Unternehmens gehört, dass jeder an jedem Tag gleich willkommen ist und alle 365 Tage im Jahr identisch ablaufen.

Schließlich gebe es bei Disney auch keinen Veteranen-, Vegetarier- oder Rentnertag, so die Logik der Konzernsprecher. Ein großes Entgegenkommen des riesigen Unterhaltungskonzerns gibt es aber: Wenn sich am Samstagabend die Tore der Disney-Studios für die Familien schließen, beginnt auf dem Gelände eine der spektakulärsten schwulen Open-Air-Partys des Jahres. Während es ein Teil der Gay-Days-Besucher tagsüber auf den Besuch der Parks und Attraktionen abgesehen hat, feiert der schwule Party-Jet-Set nachts auf den Circuit-Partys. Tägliche Poolpartys im Host Hotel, bei denen sich stets auch US-Pornostars wie Matthew Rush oder Vinnie Dangelo sehen lassen, gehören zum Standard. Das Partywochenende beginnt mit einer Beachparty im Disney Wasserpark „Typhoon Lagoon“ – Dresscode: Badehose.

Die Party in den Disney- oder Universalstudios wartet indes mit internationalen Stars wie Donna Summer und DJ-Größen wie Joe Gauthreaux und Eddie Baez auf. Attraktionen wie der „Tower of Terror“ und „Rocking Roller Coaster“ bleiben bis 2 Uhr morgens geöffnet bis die Party mit einem gigantischen Feuerwerk endet. Wer immer noch Lust zum Tanzen hat, besucht die Afterparty. Auf Grund gesetzlicher Bestimmungen verläuft diese jedoch alkoholfrei. Wer mit stereotypen US-Muskelkerlen eher weniger anfangen kann, findet während der Gay-Days genügend Alternativen.

Im „Parliament House“, einem der größten schwulen Resorts in Florida, steigen nachts Mottopartys mit Shows und jeder Menge Typen, die sich die teuren Partys mit Eintritten bis zu 95 Dollar nicht leisten können oder wollen. Und auch im Royal Plaza Hotel, in dem während der Gaydays eine schwule Messe, ein kleines Filmfestival sowie tägliche Poolpartys stattfinden, wird am Abend unter anderen mit einer Comedyshow gefeiert. Allerdings ohne Mouse. (Veröffentlich in Spartacus Traveler 2008)

INFO

www.gaydays.com
Alle Updates und Infos zu den Gay Days 2011.