An schönen Stränden mangelt es Brasilien nun wahrlich nicht, wobei man als schwuler Mann gleich an die dort vorhandenen Männer denkt, die in Rio, Salvador oder Florianópolis ihre Sixpacks zur Schau stellen. Um bei einem Brasilianer echte Begeisterung für einen Strand auszulösen gehört schon einiges dazu. Am besten, man macht einmal selbst den Test und erzählt einem Brasiliero, man sei auf dem Weg nach Fernando de Noronha. Was bei einem Europäer vermutlich ein bloßes Achselzucken hervorruft, erzeugt bei Brasilianern das genaue Gegenteil. Sie kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus – auch wenn sie vielleicht selbst niemals dort waren.

Die dem Menschen eigene Sehnsucht nach dem Paradies – auf Fernando de Noronha wird sie so gut wie erfüllt. 350 Kilometer vor der Nordostküste Brasiliens gelegen, ragt das kleine Archipel mit seinen Inseln und Felsen mitten aus dem Atlantischen Ozean. Vergleichbares gibt es wohl nur in der Südsee zu finden. Malerisch reckt sich auf der gut 17 Quadratkilometer großen Hauptinsel der Morro do Pico in die Höhe. Die markante Felsnadel, die ihre Ähnlichkeit mit einem riesigen Phallus nicht verbergen kann, ist wie das gesamte Archipel das Überbleibsel eines gigantischen Vulkans. Mit tropischer Vegetation, den einsamen Stränden und schroffen Felsen denkt man unweigerlich an Filme wie King Kong, Jurassic Park oder Lost. Dass keiner der Filme hier gedreht wurde liegt wohl nur daran, das Fernando de Noronha erst seit relativ kurzer Zeit Besuchern offen steht.

Bis 1987 gehörte das Eiland dem brasilianischen Militär, 1988 zum maritimen Nationalpark erklärt, wurde es im selben Jahr dem Bundesstaat Pernambuco eingeliedert. Über 70 Prozent des Archipels gehören zum geschützen Nationalpark, der seit 2001 Teil des UNESCO-Welterbes ist. Die Vorschriften für Einwohner und Touristen sind streng: Um die reiche Artenvielfalt an Meeresbewohnern zu bewahren, stehen einige der etwa ein Dutzend Strände unter Aufsicht der Naturschutzbehörde. Das Berühren von Tieren, die Entsorgung von Müll sowie das Betreten geschützter Zonen ist strengstens untersagt.

Berühmt ist die Insel für die weltweit größte Anzahl an Spinner-Delfinen, die sich stets in den Gewässern rund um das Archipel aufhalten. An die 1000 Meeressäuger hat man in der Baia dos Golfinhos schon gezählt. In der Baia de Sueste, in deren flachem Wasser sich stets eine große Zahl von Meeresschildkröten auf Nahrungssuche begibt, darf man nur mit Schwimmwesten ins Wasser, um den von Algen und Korallen bewachsenen Grund nicht zu beschädigen. Zu den weiteren Highlights zählt eine etwa einstündige Wanderung zum Atalaia Strand. Auch hier ist ein Führer Pflicht, um in einem bei Ebbe freigelegten, natürlichen Pool zu schnorcheln und unzählige tropische Fische, Muränen, Kraken oder gar kleine Haie zu beobachten.

Die Schnorchelausrüstung, die man sich am Hafen für die Dauer seines Aufenthalts leihen kann, sollte man auf Fernando de Noronha immer dabei haben. Sei es auf einer Bootstour um die Insel oder bei Ausflügen zu den Stränden der Baia dos Porcos oder dem traumhaften Praia do Sancho. Der von steilen Felsen umrahmte Strand gehört mit Sicherheit zu den schönsten dieser Welt, die Wahl zum besten Strand Brasiliens ist ihm regelmäßig sicher. Kristallklares Wasser, weißer Sand und kaum Besucher – die Strände der Insel lassen selten einen Wunsch offen. Mit Sichtweiten von 50 Metern und extrem nährstoffreichen Gewässern, in dem sich Thunfische, Barracudas und Haie tummeln, gilt das Archipel zu dem als bestes Tauchrevier Brasiliens.

War ein Urlaub auf Fernando de Noronha vor ein paar Jahren noch ein echtes Abenteuer, passen sich die Standards von Unterkünften und Restaurants immer mehr an denen des Festlandes an – auch wenn es an englischen Informationen und Sprachkenntnissen vielerorts noch mangelt. Vor allem das Segment des luxuriösen Ökotourismus boomt auf der Insel. Pousadas (kleine Hotels) wie Teju-Açú, Triboju oder Maravilha bieten allen erdenklichen Komfort mit dem Anspruch auf Nachhaltigkeit. Die Abgeschiedenheit des Archipels mit all seinen Problemen wie Müllentsorgung, Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser machen das Leben auf der Insel nicht billig.

Die Zahl der Touristen, die täglich auf die Insel dürfen, ist auf etwa 400 begrenzt, darüber hinaus wird eine Umweltsteuer erhoben, die sich je nach Dauer des Aufenthalts überproportional erhöht. Wer in der Hochsaison zwischen September und Januar nach Noronha will, muss mit hohen Preisen für Flug, Unterkunft und Geländebuggys rechnen. Dafür bleibt man dann von teils heftigen tropischen Schauern der Regenzeit verschont.

INFO

www.braziltour.com
Offizielle Homepage des Tourismusamtes von Brasilien mit Infos über die Regionen.

www.noronha.pe.gov.br
Offizielle Website für Fernando de Noronha mit zahlreichen Tipps und Informationen.

ANREISE

Condor fliegt im Sommer einmal, im Winter zweimal wöchentlich ab Frankfurt nonstop nach Recife. Der Oneway-Komplettpreis beträgt ab 269 Euro in der Economy Class und ab 369 Euro in der empfehlenswerten Premium Economy Class. Die brasilianische Airline Gol fliegt täglich ab Recife nach Fernando de Noronha. Hin- und Rückflug kosten etwa ab 400 Euro.
www.condor.com
www.voegol.com.br

Bei der Einreise wird eine Umweltsteuer erhoben, die sich nach der Dauer des Aufenthalts richtet und mit Anzahl der Übernachtungen ansteigt. Pro Tag werden etwa 17 Euro fällig, ab 11 Tagen wird es teurer. Seine Unterkunft sollte man unbedingt vorab reservieren, da viele Zimmer besonders in den Wintermonaten lange im Voraus ausgebucht sind.

HOTELS

Pousada Teju-Açú (Estrada da alamoa) Vom National Graphic Magazine ausgezeichnete Eco-Pousada mit insgesamt zwölf je 40 Quadratmeter großen Bungalows. Gutes Restaurant, www.pousadateju.com.br

Triboju (Rua Amaro Preto 133) Die wohl stilvollste Pousada der Insel überzeugt mit modernem Design, großen Bungalows und einem exzellenten Restaurant. Auch wenn die Homepage bisher nur auf Portugiesisch verfügbar ist – das Management spricht hervorragend Englisch, www.pousadatriboju.com.br

Pousada Maravilha Luxuriöse Pousada und gutes Restaurant über der Bucht von Sueste und tollen Ausblicken aufs Meer,  www.pousadamaravilha.com.br

Pousada Zé Maria (Rua Nice Cordeiro 1) Schöne Pousada mit riesigem Pool und Blick auf den Morro do Pico und das Meer, www.pousadazemaria.com.br