Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Das wussten auch die Herzöge von Este, die es verstanden, aus einer Mahlzeit ein Event zu zaubern. Ein Gelage in einem ihrer Paläste wie dem imposanten Castello Estense in Ferrara konnte Tage dauern, mit Showeinlagen und allerlei Köstlichkeiten verwöhnte man sich und seine Gäste. Noch heute finden Rezepte aus jener Zeit Eingang in die regionale Küche der Emilia Romagna. Der „Pasticcio Ferrarese“ ist so ein Gericht, das schon zur Zeit der Renaissance die Gaumen von Fürst und Volk erfreute. Dazu mischt man Fleischragout und Gemüse wie Kürbis unter Maccaroni, packt das ganze in eine Auflaufform, gibt Béchamelsoße und getrüffelte Butter darüber und bedeckt die Füllung mit einem süßen Mürbeteig. Frisch aus dem Backofen ist die Pastete nur eine von vielen Spezialitäten, die man in Restaurants oder auf Bauernhöfen mit Übernachtungsmöglichkeiten („Agriturismo“) serviert bekommt.

Dass bei den Fürsten von Este und Farnese kulinarischer Genuss und fleischliche Gelüste eng beieinander lagen – davon zeugen allein schon die mitunter eindeutigen Darstellungen nackter Jünglinge, muskulöser Faune und umtriebiger Satyrn, die in ihren Lustschlössern Sassuolo und Reggia Colorno zu bewundern sind. Ob es nun an den Malern oder ihren Auftraggebern lag, dass sich hier und da auch männliche Wesen engumschlungen auf den Deckenfresken zeigen, sei dahingestellt. Die riesigen Residenzen – von der Größe durchaus vergleichbar mit Schlössern wie Schönbrunn oder Nymphenburg – zeugen jedenfalls von Reichtum, Macht und Mäzenatentum. Eine Reise in die norditalienische Region der Emilia Romagna, in der einst die mächtigen Adelsgeschlechter der Familien D’Este und Farnese herrschten, ist eine Reise in die Zeit der Renaissance und des Barock, zu kunsthistorischen Highlights wie der in Modena befindlichen Gemäldesammlung derer von Este, den rätselhaften Fresken im Saal der Monate des Schifanoia Palastes in Ferrara oder der ganz aus Holz konstruierten Barockbühne Teatro Farnese in Parma.

Die Altstädte sind geprägt von engen Gassen, viele der Einkaufsstraßen, die meist irgendwo um einen Dom herumführen, sind überdachte Arkadengänge. Die spenden in der Hitze des Sommers ordentlich Schatten und schützen in den kühleren Wintermonaten vor Regen. Hier finden sich zahlreiche kleine Boutiquen und Spezialitätengeschäfte, die die für die Region typischen Produkte verkaufen: Parmesankäse, Trüffel, Schinken, Balsamessig und Wein. Besonders in dem von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Zentrum Ferraras macht es Spaß, durch die Stadt zu bummeln oder – besser noch – sie mit dem Fahrrad zu erkunden.

Der autofreie Stadtkern macht es Besuchern leicht, zwischen Castello, Dom und den Palazzi hin- und herzupendeln und die voneinander getrennten Stadtteile aus dem Mittelalter und der Renaissance besser kennen zu lernen. Ein Fahrradverleih ist schnell gefunden und bei Kunstradtouren gibt es den Eintritt in Museen und Paläste gratis dazu. 163 Kilometer Radweg führen von Ferrara ins fruchtbare Po-Delta, Autofans wird es dagegen eher nach Maranello unweit des Sassuolo-Schlosses bei Modena ziehen.

Dort sind in der Ferrari-Galerie legendäre Modelle der italienischen Traditionsmarke zu bestaunen. Ob es an den Universitäten liegt oder an der Tatsache, dass man in Italien als junger Mensch recht lange bei seiner Familie wohnt: Die Stadtbilder von Ferrara, Parma oder Modena sind erstaunlich jung und jede Stadt versteht es, dem jugendlichen Lifestyle auf irgendeine Weise gerecht zu werden. So versorgt Modena seinen Domplatz mit einem kostenlosen W-Lan-Zugang und es passiert, dass auf den Treppenstufen vor der Kathedrale mal eben ein Camchat stattfindet. Die schwule Szene konzentriert sich dagegen in Bologna, der Hauptstadt der Emilia Romagna, gut 50 Kilometer von Ferrara und Modena entfernt.

Fast 80.000 Studenten leben in der ebenfalls von der Renaissance geprägten Stadt, die als „la rossa“, „die Rote“ eine Hochburg der italienischen Linken ist. Wahrscheinlich deshalb hat sich gerade hier eine recht lebendige Szene mit einigen Bars und regelmäßigen Clubnächten etabliert, auch Italiens Homoorganisation Arcigay hat in Bologna ihr Hauptquartier. Mit den Palästen Luxus liebender Renaissancefürsten ist dieses allerdings nicht zu vergleichen.

INFO

www.original-italienisch.de
Offizielle Seite des Tourismusamtes der Emilia Romagna mit Tipps und Terminen.

www.cittadarte.emilia-romagna.it
Alle Infos über die kunsthistorischen Städte der Region.

ANREISE

Lufthansa und deren Regionalpartner Air Dolomiti fliegen täglich von Deutschland über Frankfurt oder München den Flughafen Guglielmo Marconi in Bologna an, Hin- und Rückflugtickets gibt es bereits ab 99 Euro (zum Beispiel ab Frankfurt).
www.lufthansa.com
www.airdolomiti.it/de

HOTELS

Il Guercino (Via Luigi Serra 7, Bologna) Homofreundliches Hotel mit schönen Zimmern und Fahrradverleih, www.guercino.it

Il Convento dei Fiori di Seta (Via Orfeo 34/4, Bologna) Boutiquehotel in einer ehemaligen Kirche, www.ilconventodeifioridiseta.com

Prisciani Art Suite (Via Garibaldi 70, Ferrara) Schickes, zentral gelegenes Hotel, www.prisciani.com