Der Ruf ist wahrlich nicht der beste: Seit jeher gilt Texas als Hort des Konservativismus und die beiden Präsidenten der Bush-Dynastie haben das Übrige getan, um dieses Image fest in den Köpfen zu verankern. Doch Dallas is back. Nicht nur, weil Mitte Juni 2012 die gleichnamige TV-Serie aus den 80er Jahren ihre mit viel PR-Tamtam gehypte Fortsetzung in den USA erlebte und im Frühjahr 2013 bei RTL zu sehen sein wird.

Gerade Dallas, die 1,2-Millionen-Stadt am Trinity River, ist weit liberaler als man vielleicht denkt. Bei den Präsidentschaftswahlen 2004 stimmten über 75 Prozent der Einwohner für den Demokraten John Kerry. Die Geschichte wollte es auch, dass die Stadt zum Schauplatz einer der größten Tragödien der USA wurde. Mitten im Stadtzentrum von Dallas, an der Ecke Houston und Elm Street, fielen am 22. November 1963 die tödlichen Schüsse auf John F. Kennedy. Das Gebäude, von dem aus zumindest einer der Schüsse abgegeben wurde, ist heute ein Museum, das den Tag des Attentats minutiös nachzeichnet und auch die unterschiedlichen Täter- und Verschwörungstheorien nicht verschweigt. Wenn nach der Hitze des Tages die Skyline von Dallas im Licht der untergehenden Sonne erglüht, wird es Zeit, sich für die Nacht fertig zu machen. Theater- und Opernfans können sich jetzt auf den Weg in den Arts District begeben.

Gleich neben Downtown erstreckt sich über 19 Blocks Amerikas größtes zusammenhängendes Kulturviertel, das in den letzten Jahren um beeindruckende Gebäude ergänzt wurde. Gleich vier Pritzker-Preisträger, nämlich Renzo Piano, Sir Norman Foster, I.M. Pei und Rem Kolhaas haben mit ihren Museen- und Theaterbauten eine beeindruckende Kulturlandschaft erschaffen, vor allem das Opernhaus und das silbrig glänzende Performing Arts Center – beide im Jahr 2009 eröffnet – sind einen Besuch wert, am besten natürlich während einer Vorstellung.

Das Zentrum der schwulen Szene liegt ein paar Kilometer außerhalb von Downtown. Oak Lawn heißt der Stadtteil, der seit über 30 Jahren das Herz von Dallas‘ Gay Community ist. Entlang der Cedar Springs Road reihen sich zahlreiche Restaurants, Shops, Bars und Clubs. Der neueste Zugang am sogenannten Strip ist der Ilume-Komplex. Das modern-stylische Appartmenthaus mit Fitnessstudio, Außenpool und einer Bar, die man als Bewohner mieten kann, ist die amerikanische Antwort auf die eher als Sozialmaßnahme geplanten schwul-lesbischen Wohnprojekte in Deutschland. Der überwiegende Teil der Mieter ist jung, trendy – und Single. Schließlich liegt die Szene direkt vor der Haustür. Und die kann sich sehen lassen: An Abwechslung, Größe und Ausstattung sind die Bars kaum zu überbieten. Ob Livemusik bei Alexandre’s, Karaoke bei Woody’s oder furiose Dragshows im Rose Room – egal ob unter der Woche oder am Wochenende, in einer der gut zehn Bars und Clubs am Strip ist jeden Abend etwas los – und abseits der Cedar Springs Road warten noch einmal so viele Bars auf ihre Gäste – darunter Stripper Bars wie BJ’s oder die Lederkneipe Eagle.

Zu den Klassikern auf dem Strip gehört neben J.R.‘s der inzwischen schon legendäre Round-Up Saloon. Hier ließ sich nicht nur Lady Gaga blicken – der große, im Westernstil gehaltene Club ist das Mekka für Line- und Westerndance. Unter der Woche gibt es für die Gäste kostenlosen Tanzunterricht und es ist schon ein besonderes Erlebnis, einen solchen Abend einmal mitzuerleben. Nicht nur die immer gut aufgelegten Barkeeper tragen hier Cowboyhüte – auch viele Gäste kommen texastypisch in Stiefeln und mit Hut.

Wer mehr von der eigentlichen Cowboy-Kultur sehen will, macht am besten einen Ausflug ins nahe gelegene Fort Worth. Seit 2010 der schwule Stadtrat Joel Burns in einer Sitzung vor seinen Kollegen eine bewegende Rede als Beitrag zur mit großer medialer Aufmerksamkeit bedachten „It gets better“-Kampagne hielt, um jungen Schwulen Mut zu machen, ihren Weg trotz aller Schwierigkeiten und Anfeindungen weiterzugehen, ist Fort Worth auch bei Gays ein Begriff. Vor allem ist Dallas‘ Nachbarstadt bekannt für die Fort Worth Stockyards. Diese waren einst eines der größten Viehhandelszentren der USA und Umschlagplatz für Herden vom Süden Texas‘ auf den Weg nach Kansas. Rund um die Stockyards (Viehhöfe) hat sich Fort Worth den Charme einer Westernstadt erhalten. Urige Cowboykneipe und Steakhäuser, plüschige Hotels und Souvenirshops säumen die North Main Street. Höhepunkt des Tages ist der jeweils um 11:30 und 16 Uhr stattfindende „Cattle Drive“, bei dem eine kleine Herde von Longhorn Rindern um die Stockyards getrieben wird. Am Abend dann laden Rodeos und die riesige Cowboy Bar Billy Bob’s zu einem Ausflug in die heterosexuelle Westernwelt.

Wer lieber schwul ausgehen will, findet mit den Bars Reflection und Rainbow Lounge die passenden Alternativen. Und dass Fort Worth seinem Nachbarn in Sachen Kunst nicht nachstehen will, beweist die Stadt mit seinen Sammlungen im Kimbell Art und im Modern Art Museum. Letzteres ist ein minimalistisch und lichtdurchfluteter Bau des japanischen Architekten und Pritzker Preisträgers Tadao Ando, in dem bis Ende Oktober eine Ausstellung mit Portraitmalereien von Lucian Freud zu sehen ist. Cowboys und Kultur – in Texas geht das eben wunderbar zusammen.

INFO

www.glbtdallas.com
Offizielle Homepage des Tourismusamtes mit Tipps für Schwule und Lesben.

www.dallastavernguild.org
Szeneinfos mit detaillierter Übersicht zu Bars und Clubs sowie anstehenden Events.

ANREISE

American Airlines fliegt täglich nonstop ab Frankfurt nach Dallas/Fort Worth, als Partner der Oneworld Alliance gibt es ab vielen deutschen Flughafen auch Zubringerflüge mit Air Berlin nach London. Von dort fliegt die Airline zwei- bis dreimal täglich. Tickets kosten ab ca. 625 Euro in der Economy und 1982 Euro in der Business Class. www.aa.com/rainbow

HOTELS

Crowne Plaza Hotel (Market Center 7050 North Stemmons Freeway ) Nicht weit von der schwulen Szene gelegenes Hotel. Host Hotel des Ledertreffens A.W.O.L., www.crowneplaza.com/dallas

Hilton Anatole Hotel (2201 North Stemmons Freeway) Riesiges, aber schönes, szenenahes Hotel, www.hiltonanatolehotel.com

Palomar Hotel (5300 E Mockingbird Lane) Schick designtes Boutique-Hotel der Kimpton- Gruppe mit dem hervorragenden Restaurant „Central 214“, www.hotelpalomar-dallas.com

Alle Szeneinfos gibt es in der aktuellen Version der SPARTACUS App oder im Spartacus International Gay Guide.