Wer Antwerpen besser kennenlernen will, tut dies am besten in der Meir-Straße Nummer 50. In einem alten Stadtpalais hat sich dort der Chocolatier Dominique Persoone eine Küche eingerichtet, die eigentlich ein Labor für außergewöhnlichen Geschmack ist. Persoone ist weit über die Grenzen Belgiens hinaus bekannt und beliefert mit seinen extravanganten Pralinenkreationen Sternerestaurants im In- und Ausland. Seine kleinen Kalorienbomben schmecken wahlweise nach Wasabi oder Tabak, nach Apfelessig, Tequila oder Olivenöl. In seinem Showroom von „The Chocolate Line“ stehen Schokofiguren aus Tim Burtons neuestem Film „Alice im Wunderland“, an der Wand hängen Fotos von vielen nackten Menschen mit nichts anderem bedeckt als ein paar Spritzern Schokolode – Weiß für Männer, Braun für Frauen. Die Bilder sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Fotografen und Aktionskünstler Spencer Tunick.

Dominique Persoones kleines Schokoatelier bringt all das auf den Punkt, wofür Antwerpen, die belgische Stadt an den Ufern der Schelde, heute steht: Kreativität, Mut zum Außergewöhnlichen und dabei doch fest verwurzelt in Geschichte und Tradition. Hier haben ausgeflippte Modedesigner ebenso ihren Platz wie die Gemälde von Peter Paul Rubens, hier geht man genauso gerne in die riesige Kathedrale wie ins Fashion-Insitute oder das Black & Blue, einer der bekanntesten schwulen Clubs im belgisch niederländischen Raum. Für eine Stadt ihrer Größe bietet Antwerpen erstaunlich viel Abwechslung an schwuler Infrastruktur.

Neben dem trendigen Black & Blue und Bars wie Twilight oder dem am Fluss gelegenen Popi-Café, das man vor allem am Wochende besucht, hat sich besonders die Fetischszene mit dem Boots eine weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannte Location in Antwerpen etabliert. Auf mehreren Stockwerken ist so ziemlich alles erlaubt, was man hinter geschlossenen Türen so treiben kann. Wie sehr die Stadt auf die Bedürfnisse ihrer homosexuellen Einwohnern, aber auch auf die der Touristen eingeht, ist ziemlich eindeutig. Da in Belgien die Homoehe erlaubt ist, steht Schwulen und Lesben selbstverständlich auch der wunderschöne Trausaal im Rathaus zur Verfügung. Homoevents wie die World Outgames 2013 sowie Partys wie Navigaytion werden sehr großzügig von der Stadtregierung unterstützt. Während des alljährlich Ende Juni stattfindenden Gay-Prides zeigt Antwerpen Flagge wie kaum eine andere europäische Metropole. Fast in der gesamten Altstadt hängen über Straßen, an Plätzen und vor vielen Gebäuden die Farben des Regenbogens. Mal sehen, ob Dominique Persoone auch dafür eine passende Geschmacksvariante findet.

INFO

www.visitantwerpen.be
Offizielle Website für Touristen mit Infos zu Sehenswürdigkeiten, Hotels und Tipps für Schwule & Lesben.

ANREISE

Brussels Airlines fliegt ab 7 deutschen Städten nach Brüssel. Hin- und Rückflug kosten ab 99 Euro. Vom Flughafen fährt man entweder mit Bus oder Bahn weiter nach Antwerpen – Fahrtzeit etwa 30 Minuten, ca. 10 Euro. www.brusselsairlines.com

Die Züge von Thalys fahren ab Aachen und Köln ab 19 Euro nach Brüssel (einfache Fahrt), von dort fahren dann Anschlusszüge nach Antwerpen. www.thalys.com

HOTELS

Hotel Leopold (Quinten Matsijslei 24-25) Schönes Designhotel am Stadtpark mit freundlichem Personal, www.leopoldhotelantwerp.com

Radisson Blu Astrid Hotel (Konigin Astridplein 7) Modernes Hotel mitten im Zentrum, gleich gegenüber dem Bahnhof, www.radissonblu.com/astridhotel-antwerp

AUSGEHEN

Red & Blue (Lange Schipperskapelstraat 11) Einer der besten Clubs der BeNeLux-Staaten mit weit über die Grenzen Antwerpens hinaus bekannten Partyevents, www.redandblue.be

Popi Café (Plantinkaai 12) Beliebtes Homocafé am Scheldeufer, www.popi.be

The Boots (Van Aerdtsraat 22) Großer Leder- und Fetischclub auf mehreren Etagen, www.the-boots.be

Bonaparte (Grote Markt 21) Am Rathaus gelegene Bar, die seit über 50 Jahren besteht. Vor allem am Wochenende ein Treffpunkt der Szene, www.bonaparte.be

Twighlight (Van Schoonhovenstraat 54) Beliebte Bar für schwule Nachtschwärmer, www.twi-light.be

Alle weiteren Adressen im Spartacus International Gay Guide und der iPhone-App