Wenn man die Rue des Archives betritt, spürt man gleich, dass hier etwas anders ist als in anderen Teilen Paris. Keine großen Boulevards, alles ein bisschen pittoresker, verwinkelter und beschaulicher. Und auch die Leute auf den Straßen sind anders, nicht ganz so bourgeois, bunter und vielfältiger. Und vor allem fällt auf, dass hier „Minderheiten“ – so beknackt das Wort ist – das Bild prägen. Neben den Juden, die schon seit Jahrhunderten hier leben, haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten vor allem Schwule angesiedelt und Paris zu einer der Homohochburgen Europas gemacht. Das Viertel erkundet man am besten zu Fuß, lässt sich treiben und verweilt, wo es gefällt.

Und wer sich lieber führen lässt, ist bei den Jungs von Manstouch in besten schwulen Händen. Sie bieten neben Stadttouren auch Kochkurse und Tagestrips in die Champagne an. Wen der Kaufrausch packt, der wird hier im Übermaß fündig, ob Streetware & Denim bei Boyz Bazaar oder exzellente Secondhand- Designerklamotten bei Plus Que Parfait (23 rue des Blancs-Manteaux). Nicht minder reich ist die Auswahl abends. Von schicken Bars wie Le Quetzal (10 rue de la Verrerie) oder Raidd Bar, wo die gut gebauten Tresenkerle zum Vergnügen der Kunden öffentlich duschen, Bärenkneipen wie Café Cox oder Bears’ Den mit ihren Themenabenden über Tanzschuppen wie dem immer spaßigen Tangolokal Boite A Frissons bis zum Cruisingladen reicht das Angebot.

Auch wenn sich das Marais in den letzten zwei Dekaden zum Pariser Schwulenzentrum entwickelte, hat das Viertel auch abseits der Homomeile Aufregendes zu bieten. Bald läuft man durch Straßen, die ein wenig rauer, unaufgeräumter sind als weiter südlich. Touristen verlaufen sich noch immer wenig in diesen nördlichen Teil des Marais, hier leben noch viele Einwanderer, Marokkaner und Jamaikaner vor allem, und das sieht man dem Straßenbild auch an. An der Rue de Bretagne befindet sich der „Marché des Enfants Rouges“, ein kleiner überdachter Markt, den es seit fast 400 Jahren gibt und der älteste in Paris ist.

Heute bieten hier Händler Lebensmittel, Weine und Spezialitäten aus aller Herren Länder an. Hier kann man sich bei einem Zwischenstopp mit einem Tajine, dem traditionellen marokkanischen Schmorgericht mit Lamm, Datteln und Mandeln, vorzüglich für die weitere Erkundung des Viertels stärken. Bis zur Rue Charlot sind es von hier keine 100 Meter. In der kleinen Straße befinden sich unzählige Boutiquen, Kunstgalerien, Cafés und Bio-Sandwichbistros wie Tartes Kluger oder Cococook , wo sich leicht ein Nachmittag mit Schlemmen und Magazinlesen verbringen lässt.

Wer es lieber fleischlos mag, wird im gay-friendly Restaurant La Victoire Suprême du Coeur bestens versorgt. Am besten lässt sich das Viertel aus nächster Nähe erkunden. Und dafür bietet das Marais eine ganze Reihe von Übernachtungsmöglichkeiten. Zu den günstigsten gehört das charmante Hotel Le Central mit der intimen Bar Central. Die Jungs an der Rezeption helfen auch gerne mit Ausgehtipps. Edler und mit einem Gym ausgestattet ist das Design-Hotel Duo.

Und auch zahlreiche private Pensionen bieten Zimmer an. Nach einem ausgiebigen Wochenende ist klar: Selbst wenn sich die Homoszene längst auch andere Quartiers erobert hat, bleibt das Marais doch das unübertroffene Epizentrum schwulen Lebens in Paris.

INFO

Mehr Infos über das Marais und Paris für Schwule gibt es im Air-France-Guide „L’esprit de Paris!“, als Download unter www.gay-airfrance.de
www.franceguide.com/lgbt
www.parismarais.com