Sie gaben einer ganzen Provinz ihren Namen: als im 17. Jahrhundert Jesuitenmönche von Brasilien kommend in das von dichtem Urwald bewachsene Gebiet zwischen dem Rio Paraná und dem Rio Uruguay vordrangen, um die dortigen Ureinwohner zu missionieren, gründeten sie sogenannte Reduktionen, in denen die Indianer des Stammes der Guaraní angesiedelt wurden. 15 dieser Missionsstationen gab es in Argenintinen, von denen sich elf in der heutigen Provinz Misiones befanden. Bedenkt man die Unzugänglichkeit des Gebietes, ist es erstaunlich, was die jeweils nur von zwei Jesuiten geleiteten Reduktionen hervorbringen konnten. Am beeindruckendsten zeigt sich das in der Anlage von San Ignacio Miní, die gemeinsam mit den Reduktionen von Nuestra Señora de Santa Ana, Nuestra Señora de Loreto und Santa María la Mayor zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Unter Anleitung der Mönche wurden riesige Kirchen gebaut und Landwirtschaft betrieben, zur Blütezeit um das Jahr 1730 wohnten an die 4000 Menschen in der Siedlung von San Ignacio. Was genau es mit den Reduktionen auf sich hatte und warum sie schließlich verfielen, erfährt man in einer faszinierenden Lichtspiel-Show, die nach Sonnenuntergang die Ruinenanlage mit Bildern, Personen und Ereignissen wie Schlachten wiederbelebt. Mit Nebelanlagen und 3-D-Projektionen erwacht die barocke Anlage zu einer art Geisterstadt, auf deren Plätzen sich plötzlich dutzende Menschen tummeln, die Geschichte in einer Art erlebbar machen, wie man es nur selten erlebt.

Wer sich auf den Spuren der Jesuiten in der argentinische Provinz Misiones begibt, beginnt seine Reise in Posadas. Die Grenzstadt zu Paraguay liegt eine gute Flugstunde von Buenos Aires enfernt. Von dort sind es etwa 60 Kilometer bis zur Reduktion von San Ignacio Miní. auf dem Weg dorthin kommt man bei Santa Ana fast automatisch am Parque Temtico de la Cruz vorbei. Dessen unübersehbare Attraktion ist ein 82 Meter hohes Metallkreuz, auf dessen Querbalken man mit Aufzügen gelangt und von dort in schwindelerregender Höhe einen Ausblick auf die grünen Wälder und Weiden der Region hat.

Mehrere tausend Hektar dieses Landes sind im Besitz der Familie Navajas. Deren Estancia Santa Cecilia ist eine der tradionsreichsten und größten der Region, mit Wald- und Viehwirtschaft sichert das Gut auch heute noch sein Auskommen. Und mit dem Tourismus. Insgesamt vier herrschaftliche Zimmer stehen Besuchern zur Verfügung, um das Leben auf der Estancia besser kennenzulernen. Während man am Abend mit der Hausherrin Silvia und deren 30-jährigem Sohn Carlos stilvoll in der großen Eingangshalle speist, bietet sich tagsüber die Gelegenheit für Ausritte durch das weitläufige Gelände. Die Gauchos – die argentinische Variante des Cowboys – schlürfen schon vor Sonnenaufgang ihren Mate-Tee und machen sich früh morgens auf den Weg zu den Rinderherden. Dagegen reiten die Besucher in Begleitung eines erfahrenen Gauchos oder des Juniorchefs erst ein paar Stunden später los. Was geboten wird ist kein touristischer Schnickschnack, sondern ein Einblick in die tägliche Arbeit der Viehhirten: Das Zusammentreiben der Herden oder die Behandlung kranker Kühe und Kälber, die zuvor mit dem Lasso eingefangen wurden. Mit etwas Glück kann man in der an Vogel- und Schmetterlingsarten reichen Region auch Nandus sehen, große Laufvögel, die dem afrikanischen Strauß ähneln.

Nach dem Ausritt wartet dann bereits ein typisches Asado auf die Gäste. Bei dieser Art des Barbecues wird ein großes Stück Fleisch einige Stunden über offenem Feuer gegrillt und dann zerlegt. Salate und argentinischer Wein runden das Mittagsmahl ab. Ganz im Kontrast zu den weiten Weidelandschaften im Süden der Provinz stehen die dichten Wälder des Nordens. Misiones verfügt über die letzten Reste des einst mächtigen Atlantischen Regenwaldes, der sich entlang der Ostküste des südamerikanischen Kontinents zog. Die Pousada Puerto Bemberg, ein exklusives aber nicht unerschwingliches Boutiquehotel inmitten des Waldes, hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Gäste über die ökologische Bedeutung dieses schützenswerten Lebensraumes aufzuklären. Neben Wanderungen durch ein zum Hotel gehörendes Stück Dschungel, das sich bis ans Ufer des Paraná erstreckt, bietet die Pousada auch vogelkundliche Expeditionen sowie Bootsausflüge an. Darüber hinaus gibt es ein Aufzuchtstation für einheimische Pflanzen sowie einen kleinen Garten mit Mate- und Ananaspflanzen sowie anderem Obst und Gemüse, das in der Küche des Hotelrestaurants Verwendung findet.

Von Puerto Bemberg sind es etwa 40 Kilometer zur wohl bekanntesten Attraktion der Region: Dem Nationalpark Iguazú mit seinen einzigartigen Wasserfällen. Vor allem das riesige Gebiet Atlantischen Regenwaldes, in dem noch Jaguare, Tapire und Kaimane leben und das darüber hinaus etwa 800 verschiede Schmetterlingsarten beherbergt, waren der Grund, den Nationalpark zum UNESCO-Welterbe zu erklären. Herzstück des Nationalparks sind die auf argentinischem und brasilianischem Gebiet liegenden Wasserfälle, die sich auf knapp drei Kilometer Länge zum Teil spektakulär in die Tiefe stürzen. Während man von brasilianischer Seite aus vor allem einen tollen Panoramablick genießt, geht man auf der argentinischen Seite mit den Fällen im wahrsten Sinne des Wortes auf Tuchfühlung. Wege und Stege führen mal dicht an die Abbruchkante, mal ganz nah an den Fuß der Fälle, so dass einen die aufspritzende Gischt völlig durchnässt. Noch abenteuerlicher ist eine Bootsfahrt auf dem Iguazú-Fluss, während der man unter zwei großen Fällen praktisch hindurchfährt.

Außer vielleicht den Viktoria-Fällen an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe im Süden Afrikas gibt es wohl keine schöneren Wasserfälle dieser Erde. Wer aufmerksam durch den Wald geht, entdeckt vielleicht auch eines der Wahrzeichen der Region: den mit seinem großen, gelben Schnabel weithin sichtbaren Riesentukan. Wer Pech hat und keinen Tukan sieht, sollte trotzdem die Augen offen halten. Die stetig wachsenden Bemühungen Argentiniens um schwule Touristen ist nämlich bereits deutlich wahrnehmbar. Ob tagsüber an den Wasserfällen oder am Abend in schicken Hotels wie dem Loi Suites und dem homofreundlichen Restaurant Aqva in Puerto Iguazú: Vor allem schwule Pärchen lassen sich leichter ausmachen als so manch scheuer Vogel.

INFO

www.turismo.gov.ar
Offizielle Homepage des Ministeriums für Tourismus mit allen Infos über Argentinien und seinen Regionen.

www.turismo.misiones.gov.ar
Webseite der Region Misiones mit Infos über die touristischen Highlights (auf spanisch)

ANREISE

Seit November 2011 fliegt KLM drei Mal pro Woche von elf deutschen Städten über Amsterdam nach Buenos Aires. Hin- und Rückflug kosten ab 748 Euro. Zudem hat KLM ein Code-Share- Abkommen mit Aerolineas Argentinas die Buenos Aires nach Posadas und Iguazu fliegt. Mit dem Visit-Argenitina-Pass, dessen Coupons man vor Abflug bucht, kostet ein einzelner Streckenabschnitt 180 bzw. 200 US-Dollar
www.klm.de
www.aerolineas.com.ar

HOTELS

Estancia Santa Cecilia (Candelaria) Etwa 30 Kilometer von Posadas entfernt, bietet die traditionelle Estancia nur vier Zimmer. zu den Tagesaktivitäten gehören Ausritte über das riesige landgut und die Möglichkeit, den Gauchos bei der Arbeit zuzusehen, www.santa-cecilia.com.ar

Posada Puerto Bemberg (Liberdad) Mitten im Wald gelegen, ist dieses wunderschöne Boutiquehotel eine Oase der Ruhe. Im Preis inbegriffen sind Wanderungen durch den Dschungel und Vogelbeobachtungen. zu den Wasserfällen von Iguazú sind es knapp 40 Kilometer. Kleine Gruppen können ein altes Herrenhaus privat mieten, www.puertobemberg.com

Loi Suites (Iguazú Selva Iryapu) Schönes, im Wald gelegenes Hotel mit großem Pool und Spa. Die einzelnen Gebäude sind mit Hängebrücken verbunden, zudem gibt es private Villen mit Blick auf einen kleinen Fluss, www.loisuites.com.ar

Szeneadressen für Argentinien gibt es im Spartacus International Gay Guide und der Spartacus iPhone App