Buenos Aires hat allen Grund zum Feiern. Als die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner am 22. Juli 2010 das Gesetz zur Einführung der Homoehe unterschrieb, herrschte in der Stadt eine ausgelassene Stimmung. Der Abend der Unterzeichnung fiel mitten in eine internationale Konferenz zum Thema Gay-Tourismus in Südamerika, die von dem Marketing-Unternehmen „Gnetwork360“ organisiert worden war und durch die Anwesenheit des argentinischen Tourismusministers sowie des Kulturministers der Stadt Buenos Aires viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Schon vor diesem historisch zu nennenden Ereignis galt Buenos Aires als eine der homofreundlichsten Städte Südamerikas, für die kommenden Jahre rechnet die Stadt mit einem deutlichen Anstieg an schwulen Besuchern. Die Eröffnung des ersten südamerikanischen Infozentrums für schwule und lesbische Touristen Anfang September, dem Pink Point in der Lavalle, ist da nur folgerichtig. Buenos Aires – das ist vor allem ein Kontrastprogramm zum ansonsten oft chaotischen, manchmal auch anstrengenden Lateinamerika, in dem man es mit Pünktlichkeit, Sauberkeit und funktionierender Infrastruktur nicht immer so genau nimmt. Wer schon einmal Brasilien, Peru oder einige Länder Mittelamerikas bereist hat, wird von Buenos Aires überrascht sein. Wohl keine andere Stadt auf diesem Teil des Kontinents kommt in Architektur, Struktur und Flair einer europäischen Metropole näher als die argentinische Hauptstadt.

Gerne wird Buenos Aires mit Paris oder Madrid verglichen und in der Tat sind solche Vergleiche nicht unpassend. Mit einem Opernhaus von Weltruf – dem gerade nach langer Renovierung wiedereröffneten Teatro Colón –,einem quirligen Theaterdistrikt mit Kinos, Musicalbühnen und unzähligen Restaurants, der Fußgängerzone, Calle Florida genannt, sowie den unterschiedlichsten Stadtvierteln wie San Telmo, La Boca oder Palermo ist die Drei-Millionenstadt kulturelles und politisches Zentrum einer Nation, die sich nicht nur für Fußball sondern auch für Homorechte interessiert.

Den schnellsten und bequemsten Überblick verschafft man sich mit einer Fahrt in einem der gelben Touristenbusse, die auf einer etwa vierstündigen Rundtour alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt anfahren. Je nach Belieben kann die Fahrt unterbrochen werden, um sich etwa das alte Hafenviertel La Bocca, das Museo de Arte Latinoamericano (MALBA) oder die moderne Architektur von Puerto Madero, dem exklusiven Neubauviertel an den Ufern des Rio de la Plata, anzusehen. Zu den absoluten Höhepunkten gehört ein Besuch des alten Friedhofs im Stadtteil Recoleta: Hier liegt, zwischen ehemaligen Präsidenten, Industriemagnaten und Intellektuellen, Argentiniens wohl berühmteste Bürgerin: Eva Duarte, Ehefrau des Präsidenten Juan Perón und besser bekannt als die vom Volk geliebte und von Politikern ihrer Zeit verhasste Evita. Getrennt von ihrem Mann liegen die Gebeine der als Heldin verehrten Eva in der Familiengruft ihrer Eltern, zahlreiche Gedenktafeln und frische Blumensträuße schmücken die ansonsten eher unauffällige Grabstätte. Der Andrang davor lässt es kaum zu, an dieser Stelle zur Ruhe zu kommen, dafür gibt es an anderen Ecken des Friedhofs zahlreiche einsame und recht romantische Plätzchen, die dazu einladen, der Hektik der Großstadt für ein paar Minuten zu entfliehen. Mit einem „Don’t cry for me Argentina“ im Ohr ist es jetzt an der Zeit, sich in Richtung Plaza de Mayo aufzumachen.

Neben dem Platz mit dem großen Obelisken auf der Avenida 9 de Julio ist der Mai-Platz der wichtigste Treffpunkt für Kundgebungen oder Feiern. Hier demonstrieren noch immer jeden Donnerstag die „Mütter des Platzes der Mairevolution“ in Gedenken an ihre während der Militärdiktatur in den 1970er Jahren verschleppten Männer, Söhne und Töchter. Hier steht auch – in Anlehnung an das Weiße Haus in Washington – das sogenannte Rosa Haus. Die Casa Rosada ist der offizielle Sitz der argentinischen Präsidentin und verdankt seine auffällige Farbgebung nicht etwa der besonderen Liebe Frau Kirchners zu Schwulen und Lesben – auch wenn sie dort das Gesetz zur Homoehe unterschrieben hat. Vielmehr ist das Rosa eine Mischung der Farben Rot und Weiß, welche einst die verfeindeten Lager am Ende des 19. Jahrhunderts repräsentierten. Als Zeichen der Einheit pinselte Präsident Sarmiento seinen Palast in Rosa. Was für eine schöne Geschichte. Fast ebenso erfreulich ist – zumindest aus schwuler Perspektive – eine Geschichte über den Ursprung des Tangos. Aus Mangel an genügend Frauen erfanden die Matrosen und Hafenarbeiter von Buenos Aires einen Tanz, den auch Männer miteinander tanzen konnten, ohne dass dabei einer den anderen völlig dominiert. Noch heute ist die Variante Mann mit Mann in etlichen Tangoshows zumindest für einen kurzen Moment zu sehen.

Wer selbst Lust verspürt, einmal einen Tango Argentino zu tanzen, schaut dienstags oder sonntags bei Tango Queer vorbei. Dort gibt es Unterricht für Anfänger und schwule Touristen, weitere Gay-Milonga-Abende versanstaltet „La Marshall“ am Dienstag und Samstag. Ob man nun selbst ein bisschen Tango tanzt oder sich eine der Shows ansieht – wer das schwule Nachtleben von Buenos Aires kennenlernen will hat auf jeden Fall noch viel Zeit. Da man in Buenos Aires nicht vor 21 Uhr, eher gegen 22 Uhr, zu Abend isst, startet man seinen Ausflug in die Szene am besten gar nicht vor 1 Uhr morgens. Es sei denn, man hat einen Tisch im Inside reserviert. Dort gibt es neben einem Drei-Gänge- Menü ab etwa 23 Uhr Auftritte junger durchtrainierter Stripper, die zum Dessert die Hüllen fallen lassen.

Wer einen Besuch in Buenos Aires plant, sollte das Wochenende einplanen. Freitag, Samstag und Sonntag ist die Auswahl an schwulen Events am größten, die Bars entsprechend voll und die Stimmung ausgelassen. Die Clubs und Bars gehören neben denen im brasilianischen São Paulo zu den besten Südamerikas. Neben den Disco-Klassikern Amerika und Glam liegen besonders der samstags mit einer spektakulären Show aufwartende „Human Club“ sowie der einmal im Monat stattfindende Gay-Dance im Palacio Alsina voll im Trend. Wer den Palacio Alsina nahe der Avenida 9 de Julio das erste Mal betritt, wird von der theatralischen Architektur des ehemaligen Bürogebäudes überwältigt sein. Perfekter Sound, Showacts und die hübschesten Jungs der Stadt lassen die Zeit bis zum Sonnenaufgang wie im Flug vergehen.

INFO

www.bue.gov.ar
Offizielle Homepage des Tourismusamtes der Stadt Buenos Aires mit Infos für ausländische Besucher sowie Hotel- und Restauranttipps.

www.gmaps360.com
Exzellenter schwuler Guide mit sämtlichen Adressen schwuler Bars, Clubs, Restaurants und Saunen.

Pink Point (Lavalle 66) Südamerikas erste schwul-lesbische Touristen-Information hat seit September nahe der Calle Florida geöffnet, www.pinkpointbuenosaires.com

ANREISE

Lufthansa fliegt sechs Mal pro Woche von Frankfurt nonstop nach Buenos Aires, die Flugzeit beträgt etwa 14 Stunden. Bei rechtzeitiger Buchung kostet der Flug in der Economy Class ab 1079 Euro. Auf Südamerika-Specials auf der Homepage achten, www.lufthansa.com

Vom Flughafen fahren Taxis ins Zentrum (ca. 20 Euro), bezahlt wird an Schaltern gleich hinter der Gepäckausgabe. Buenos Aires verfügt über ein gutes öffentliches Nahverkehrssystem mit Bussen und U-Bahnen, die meisten Sehenswürdigkeiten lassen sich auch zu Fuß erkunden. Taxifahrten sind extrem günstig, am besten die mit „Radio Taxi“ gekennzeichneten Taxis wählen.

HOTELS

Hotel Axel (Venezuela 649) Neben Barcelona und Berlin steht auch in Buenos Aires ein Haus der sich als „heterofriendly“ bezeichnenden Axel-Gruppe. An Wochenenden ist der Außenpool einer der Treffpunkte für Cocktails, außerdem hat das Hotel einen Innenpool, Fitnesscenter und Sauna auf dem Dach, www.axelhotels.com

Esplendor (San Martín 780) Schickes 4-Sterne-Boutiquehotel mit viel moderner Kunst, www.fenhoteles.com

Faena Hotel (Martha Salotti 455) Das zur Leading Hotels of the World gehörende Designhotel von Philipp Starck ist eine Mischung aus Märchenschloss und Boutique-Hotel, www.faenahotelanduniverse.com

Friendly Apartments (Av. Callao 1234) Apartment-Vermietung in Recoleta für Schwule und Lesben. Sicher die günstigste Variante, in Buenos Aires unterzukommen, www.friendlyapartments.com

AUSGEHEN

El Querandi (Perú 302) Traditionelles und gutes Restaurant mit einer sehr authentischen und sehenswerten Tangoshow, www.querandi.com.ar

Inside (Bartolomé Mitre 1571) Sehr beliebtes schwules Restaurant mit Strippen ab etwa 23 Uhr, www.insiderestobar.com

Bach Bar (Cabrera 4390) Karaoke- und Showbar, www.bach-bar.com.ar

Flux (Marcelo T. Alvear 980) Die sehr beliebte und coole Homobar ist die einzige, die schon um 19 Uhr öffnet und daher auch schon vor Mitternacht gut besucht ist, www.fluxbarbuenosaires.blogspot.com

Kim Y Novak (Guemes 4900) Eine der derzeit besten Bars der Stadt, bei Heteros wie Homos gleichermaßen beliebt, www.kimynovak.blogspot.com

Sitges (Av. Cordoba 4119) Der Klassiker unter den Homobars. Hier nimmt man ab 1 Uhr den ersten Drink, bevor man in die Clubs der Stadt weiterzieht, www.sitgesonline.com.ar

Amerika (Gascón 1040) Großer und bei einem jungen Publikum sehr beliebter Danceclub, www.ameri-k.com.ar

Glam (Cabrera 3046) Beliebter Club am Donnerstag und Samstag, www.glambsas.com.ar

Human Club (Costanera Norte y Sarmiento) Der derzeit angesagteste Club am Samstag mit ausgefallenem Showprogramm, www.humanclub.com.ar

Palacio Alsina (Alsina 940) Einmal im Monat steigt hier die größte Gay-Party der Stadt, www.alsinabuenosaires.com.ar

Alle Adressen im Spartacus International Gay Guide und der iPhone-App